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Parapsychologie
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Telepathie

Von Myers eingeführter Fachausdruck der Parapsychologie:

Ursprünglich haben wir das Wort auf die Fälle beschränkt, bei denen eine Übertragung von Eindrücken stattfindet, die die Reichweite der bekannten Sinne weit überschreitet. Aber es empfiehlt sich sehr, den Ausdruck auf alle Fälle von Eindrücken auszudehnen, die ohne irgendeine Einwirkung auf die bekannten Sinne des Empfängers zustande kommen, was auch die augenblickliche Entfernung von dem Geber sei.

Heute kann Telepathie definiert werden als eine nicht durch die uns bekannten Sinne vermittelte Erfahrung eines fremdseelischen Vorgangs (Gefühle, Antriebe, Gedanken usw.), also als kommunikativer ASW-Akt. Beim Transfer der psychischen Inhalte können Informationen verzerrt oder verschlüsselt werden (z. B. in Bildern, wie sie die Traumpsychologie kennt), keineswegs muss die Information dem Perzipienten bewusst werden: unter Umständen darf aufgrund einer Verhaltensänderung, z. B. scheinbar unmotiviertes Weinen, das, wie sich später zeigt, mit einem bestimmten Todesfall koinzidierte, auf telepathische Kommunikation geschlossen werden; auch eine

Telepathie psychokinetische Entladung (z. B. Zerspringen eines Spiegels) kann Indiz für eine unbewusst gebliebene telepathische Information sein.

Telepathie ist im Traum möglich, in veränderten Bewusstseinszuständen (Absence, Trance und ähnliches) und bei scheinbarem Wachbewusstsein.

Myers sprach von der Telepathie auch als einer transmission of thought (Gedankenübertragung). Es ist aber sehr selten, dass tatsächlich Gedanken übertragen werden.

Was übermittelt wird, wechselt: Ideen, Namen, Eindrücke, Bilder, Wörter, Stimmungen, Sachverhalte, usw., dabei kann es durchaus zu Missverständnissen kommen, deren Eigenart auf Telepathie weist.

 

2 Versuche zwischen Geschwistern, W.D.B. (Bruder) und U.G. (Schwester), aus dem Jahr 1952:

Die beiden sassen in getrennten Räumen, etwa 6 m voneinander entfernt; beide zeichneten gleichzeitig, mit dem Bestreben, etwas Ähnliches wie der andere aufs Papier zu bringen:

1. Bild W.D.B.: kastenförmiger Radioapparat, im unteren Drittel 2 runde Bedienungsknöpfe und die Skala. In den oberen 2 Dritteln die Stoffverkleidung des Lautsprechers.

Bild U.G.: Truhe in entsprechender Perspektive und Linienführung; 2 scheibenförmige Ornamente in der Mittelzone der Frontfläche; Sockelzone der Truhe durch ähnliche parallele Linienstrukturen gekennzeichnet wie die Skala des Radioapparates.

2. Bild W.D.B.: dreimastige Kogge mit hohem Vorder und Hinterschiff.

Bild U.G.: Blumenschale mit hochgeschwungenen Seiten, schiffsförmig, darin drei Blumenstengel mit grossen Blättern.

Ganz ähnlich verblüffende Entsprechungen ergaben sich immer wieder bei den Telepathieversuchen der Frau des amerikanischen Schriftstellers Upton Sinclair.

 

Telepathie gilt - wie Hellsehen - für die Rhine-Schule seit 1934 als statistisch gesichert.

Sie soll sich gewollt oder ungewollt, bewusst oder (.einem oder mehreren Partnern) unbewusst, mit zwei oder mehr Kommunizierenden (Menschen oder Tiere), unabhängig von der räumlichen Distanz ereignen. Ihr Gegenstand kann gegenwärtig oder vergangen sein - wobei nur selten zu entscheiden ist, ob bei vergangenen Inhalten angenommen wird, der Agent erinnere sich jetzt, oder ob der telepathische Akt länger zurückliegt, dem Perzipienten bislang unbewusst blieb und gegenwärtig erst ins Bewusstsein steigt. Darum ist retrokognitive Telepathie mit einem verstorbenen Agenten auch keineswegs ein Beweis für die spiritistische Hypothese: Der telepathische Akt kann zu Lebzeiten des Toten stattgefunden haben. Vielleicht kann auch eine Unabhängigkeit der Telepathie von der Zeit überhaupt angenommen werden: Das schlösse die Übertragung künftiger psychischer Inhalte in der Gegenwart ein, sogenannte präkognitive Telepathie (in diesem Zusammenhang ist die Hypothese von Bedeutung, jeder Mensch kenne in seinem innersten Wesen seine eigene Zukunft, und diese Kenntnis sei in der Regel unbewusst).

 

Die wichtigsten Schemata der Telepathie sind:

  1. Agent wirkt auf Perzipient

  2. der Perzipient scheint zugleich der Agent zu sein, sogenanntes Abzapfen

  3. die Kommunizierenden teilen ein psychisches Feld.

Am 28. Juli 1928 war ich auf Besuch bei Bekannten in Nürnberg und lauschte abends voller Begeisterung der Übertragung von Richard Wagners Meistersingern ... Während ich hingerissen jedes Wort des Wahnmonologs in mich aufnahm, kamen plötzlich innerlich folgende Gedanken daher: Ach, ist das langweilig, ich verstehe kein Wort, wie lange, geht das noch weiter, wann hört er denn endlich auf?  und dann: Was ich wohl in Nürnberg treiben mochte. Durchtränkt war das von der Ausstrahlung des mir gut bekannten österreichischen Mediums Rudi Schneider. Ich hörte den Wahnmonolog also gleichzeitig auf zweifache, entgegengesetzte Weise: voller Begeisterung als ich selbst, äusserst gelangweilt als Rudi Schneider. Ich war tatsächlich gespalten, nicht in meinem Ich-Zentrum, sondern durch diese nicht zu vereinbarenden, auf den gleichen äusseren Gegenstand gerichteten Erlebnisse.

Später zeigte sich, dass Schneider tatsächlich gegen jede Erwartung die Übertragung auch gehört hatte und sich beim Wahnmonolog besonders gelangweilt hatte.

 

Unabhängig von der Frage nach der Übertragungsweise der Telepathie (Energietransport, Strahlen, Wellen?), kann nach ihrem Sinn gefragt werden.

Man kann sie z. B. normal zu erklären versuchen, etwa als eine Illusion von Liebenden.

Psychokinetische Mediumschaft erscheint, tiefenpsychologische betrachtet, oft als ein Versuch der Lebenssteigerung, gelegentlich aber auch als Abwehrreaktion. Die Telepathie wirkt, tiefenpsychologisch gesehen - wenn man die Telepathie zwischen Mutter und Kind ausnimmt -, als eine Regression auf archaische Beziehungsformen, d. h. in der Regel als Abwehr des Gegenwärtigen.

Selbst in den seltenen Fällen, wo die Inhalte einer (spontanen) telepathischen Erfahrung keine schmerzlichen Ereignisse zum Gegenstand haben, scheint somit Angst das Motiv für das Parapsychische zu sein.

  

 

 

 

 

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