| Steiner, Rudolf |
| Deutscher Philosoph, Begründer der Anthroposophie. Steiner promovierte über Fichte und war Mitarbeiter des Goethe Archivs in Weimar. Der Theosophie stand er anfangs ablehnend gegenüber: Wie ist es möglich, dass so ein intelligenter Mensch wie Sie der Theosophischen Gesellschaft angehört? fragte er Hübbe Schleiden, um kurz darauf (1902) ein von diesem befürwortetes Gesuch um Aufnahme an die Theosophische Gesellschaft zu richten. Steiner löste später seine Bewegung von den Theosophen, bewahrte aber einiges von deren Denken, vermischte es mit Anschauungen Goethes, mit Christlichem und Okkultem der europäischen Tradition. Als ausserordentlich fruchtbarer Redner und Schriftsteller beschäftigte sich Steiner mit so verschiedenen Gebieten wie Religion, Pädagogik, Medizin, Ästhetik, Psychologie, Soziologie und anderem mehr. Ausserdem trat er als Dichter hervor. Nicht durch abstraktes Denken, auf das wir Abendländer nun einmal angewiesen sind, sondern durch mystisches Schauen, durch Intuition suchten diese orientalischen Wahrheitssucher zu ihren Zielen zu gelangen. Es wäre vergebens, wenn wir Abendländer es ihnen nachmachen wollten. Unsere Natur ist von der ihrigen verschieden. Und deshalb muss auch der Weg ein anderer sein, auf dem wir zum Gipfel der Erkenntnis und zur Höhe einer freien Lebensführung gelangen. Nicht so denken die Theosophen ... die Zahl derer, die sich lieber dem dunklen Gerede vom Erleben der Gottheit im Innern zuwenden als der klaren, lichten, begrifflichen Erkenntnis des Abendlandes ist nicht gering. Dabei kommt den Theosophen zugute, dass sie in der Lage sind, gute Beziehungen zu den Spiritisten und ähnlichen sonderbaren Geistern zu halten. Sie sagen zwar auch von den Spiritisten, diese behandeln die Erscheinungen der Geisterwelt äusserlich, während sie selbst sie nur innerlich, ganz geistig erleben wollen. Aber sie lehnen es nicht ab, mit den Spiritisten Hand in Hand zu gehen, wenn es gilt, die freie auf Vernunft und Beobachtung allein sich stützende Wissenschaft der Neuzeit zu bekämpfen. Nicht näher bekanntgewordene Erlebnisse und Erfahrungen führten zu einer Konversion: Steiner lehrte später die Möglichkeit einer empirischen Welterkenntnis durch innere Erfahrung, die er Hellsehen nannte. |
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