| Spiritismus, Atem, Seele, Selbstbewusstsein, Geist |
| Theorie, die auf der Hypothese beruht, eine personale geistig-seelische Wesenheit könne den leiblichen Tod des Menschen überleben und sich unter bestimmten Bedingungen in der Sphäre der noch Lebenden mitteilen und physikalische Veränderungen hervorrufen. Der Geist des Verstorbenen soll dabei entweder aus sich heraus wirken oder der mehr oder minder passiven Hilfe Lebender, sogenannter Medien, bedürftig sein. Zu unterscheiden ist zwischen der spiritistischen Hypothese als Gegenposition zum Animismus (sie will paranormale Phänomene als Wirkungen solcher Geister verstehen) und dem Spiritismus als religiöser Erscheinung, dessen Inhalte nicht bewiesen, sondern geglaubt werden sollen. Im Rahmen des religiösen Spiritismus haben sich verschiedene Formen herausgebildet. Der Umgang mit den Verstorbenen wurde ritualisiert, und vielfach etablierte sich ein Kult. Seinen Ausgang nahm der moderne Spiritismus - es gibt zumindest phänomenologisch vergleichbare Formen in der Vergangenheit und im Bereich der Naturvölker - von den historischen Ereignissen in Hydesville (1848). Doch liegen auch Wurzeln im Mesmerismus. Heute schätzt man für die ganze Welt ca. 100 Millionen gläubige Spiritisten. Allein in England existieren ca. 500 organisierte Glaubensgemeinschaften. Im Gegensatz zum angelsächsischen Spiritismus integriert der romanische Spiritismus (Kardec-Spiritismus) meist noch den Gedanken der Reinkarnation (Seelenwanderung). Grundsätzlich entzieht sich spiritistisches Glaubensgut der wissenschaftlichen Verifikation, aber auch der Falsifikation. Nur subjektive Wahrscheinlichkeiten können dafür oder dagegen geltend gemacht werden. So ist es im Sinne der spiritistischen Hypothese bemerkenswert, dass in unserem Kulturkreis Medien mit einer gewissen Gleichförmigkeit von postmortalen Zuständen berichten, die der christlichen Dogmatik teilweise widersprechen (Zwischenaufenthalte, Schlafzustände). Da derartige Lehren aber z. B. auch durch die moderne Theosophie verbreitet werden, ist der Indiziencharakter solcher Berichte gemindert. Ein oft genanntes Argument gegen die spiritistische Hypothese ist die häufige Trivialität des aus dem Jenseits Mitgeteilten: Dessoir vergleicht den Hörer (oder Leser von derartigen Protokollen) einem Reisenden, der in einem Zugabteil Zeuge einer Unterhaltung zweier Familienmitglieder wird, von denen eines schwerhörig, das andere schwachsinnig ist, und Richet erklärt scharf: Die spiritistische Religion ist die Feindin der Wissenschaft. Dagegen muss gesagt werden, dass die Wissenschaft, nämlich die Parapsychologie, dieser Religion doch viel verdankt, wenn es im Einzelfall auch oft schwierig war, das paranormale Phänomen aus seinem religiösen Kontext zu lösen, denn spiritistischer Glaube und spiritistische Praxis interessieren die Parapsychologie nur mittelbar. Parapsychologisch relevant werden sie erst, wenn in der Séance ASW oder PK auftreten, und das scheint in der regulären spiritistischen Sitzung, zumindest heute, selten zu sein. |
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