| Schücking, Levin |
| Deutscher Schriftsteller. Der aus Westfalen stammende, mit der Droste befreundete Schücking berichtet über einen mit dem Zweiten Gesicht begabten Menschen: In aller Unheimlichkeit sehe ich noch durch die Tage meines Knabenalters eine hohe, gebückte Gestalt mit schmalem, blassem Antlitz und starren, hellgrauen Augen schreiten, die unter dem breitbeschatteten Rand eines runden Bauernhutes hervorstachen. Wir Knaben scheuten diese bohrenden Blicke, am meisten aber seine Scherze, denn er stak voll schnackiger Einfälle -als ob die Heiterkeit seiner Tage das Grauen seiner Nächte betäuben solle, die ihn hinaustrieben unter den Apfelbaum seiner Hütte, auf den Kreuzweg, auf den Grenzrain, um fern am Himmelsrand den Feuerbrand eines Gehöfts, auf dem nahen Kirchweg das Vorüberziehen eines lautlosen Leichenzuges zu sehen, um das Fallen von Brettern, aus denen ein Sarg gezimmert würde, oder den Marschtritt von Soldaten und das Rasseln von Kanonenwagen, die einen Heereszug bedeuteten, zu hören. |
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