| Poltergeist |
| Ein eher umgangssprachlicher Ausdruck, der auch in den englischen Sprachgebrauch als poltergeist (Mehrzahl poltergeists) Eingang fand. Es handelt sich dabei um Spukphänomene, oder, in wissenschaftlicher Formulierung, um spontane, wiederkehrende Psychokinese. Charakteristisch für den Poltergeist sind Lärm und physische Belästigung. Die Phänomene erscheinen intelligent gesteuert und zeigen manchmal einen etwas primitiven Witz. Die Abgrenzungen gegenüber dem Spuk, falls überhaupt welche getroffen werden, sind bei den einzelnen Autoren etwas willkürlich: In etwa kann man sagen, dass Erscheinungen (Phantome, Halluzinationen) dem Spuk vorbehalten bleiben, dass die Spukphänomene gleichförmiger ablaufen und dass der Spuk meist länger dauert als die Poltergeist-Erscheinungen. Beim Poltergeist findet Entwicklung statt, neue Phänomene treten hinzu oder lösen bereits vorhandene ab, es scheint mehr Kommunikation zwischen den Betroffenen und dem Poltergeist stattzufinden. Die Manifestationen erstrecken sich oft nur über ein paar Tage, längstens über einige Monate. Bisher zeigen sich für die Interpretation der Vorgänge 3 Ansätze: 1. Die gruppendynamisch-soziologische Deutung: Die Phänomene laufen prozesshaft ab. In einer ersten Phase dumpfe Geräusche, Klopfen, Kratzen, Schaben. Die Betroffenen denken an eine natürliche Erklärung wie Ratten, Ungeziefer im Gebälk oder ähnliches. Später werden die Zeichen eindeutiger: Mimikry-Geräusche. Die Gruppe der Erlebnisträger wird durch Angst - gelegentlich durch forcierte Skepsis - zusammengeschweisst. Der Prozess kann hier ein Ende finden, es können aber auch sichtbare Zeichen auftreten: Steine fliegen umher, ebenso Haushaltsgeräte, Gegenstände werden versteckt, verschlossene Türen öffnen sich. Man kann den Eindruck gewinnen, dass die Macht an Selbstvertrauen gewinnt und immer kompliziertere Streiche wagt. Blasphemisches und Obszönes kommt jetzt manchmal ins Spiel Bei den Erlebnisträgern wachsen Angst und gegenseitiges Misstrauen. Sozialpsychologisch bedeutsam ist die nächste Stufe: Die Nachbarn werden aufmerksam und machen sich ihre Gedanken. Das Ende ist verschieden: Die Phänomene hören auf, und die Betroffenen finden eine Erklärung, die sie befriedigt. Parapsychologen treten auf und wirken als Innovationsagenten, die für eine gewisse Beruhigung sorgen (vielleicht wirken sie manchmal aber auch gerade entgegengesetzt). Von den Nachbarn geächtet zieht die Familie weg, usw. 2. Die parapsychologische Deutung: Paracelsus glaubte, dass Menschen, die eines gewaltsamen Todes sterben, die ihnen gekürzten Erdentage als Caballi, Lemuren, Polter- oder Rumpelgeister zubringen können. Die neuzeitliche Forschung hat dieser spiritistischen Hypothese entgegengestellt, dass die Poltergeist-Phänomene einen lebenden Menschen zum Agenten haben. Zwar sind die Poltergeist-Manifestationen stets auch soziale Erscheinungen, sie scheinen aber immer einen Urheber zu haben - sehr oft einen meist weiblichen Jugendlichen kurz vor oder während der Pubertät. Psychodiagnostische Untersuchungen haben vor allem in der aktuellen psychischen Disposition dieser Agenten Ähnlichkeiten aufgezeigt: Erregbarkeit, Frustration, gestaute Triebspannungen, aggressive Tendenzen. Früher wurden aus Poltergeist-Agenten manchmal Medien (z. B. die Geschwister Fox; Hydesville). Heute sieht man im Poltergeist auch eine ärztliche Aufgabe und will nicht aus Patienten Medien machen. (Was ausserdem schwierig sein dürfte: Die spezifisch affektive Situation in der Umgebung des Agenten lässt sich im Laboratorium kaum simulieren.) Die unter 1 und 2 referierten Deutungen gelten für kulturspezifische, d. h. kulturabhängige Situationen. Roll und seine Mitarbeiter haben einen naturwissenschaftlich-mathematischen Zugang zu den Phänomenen gesucht, der gegebenenfalls kulturunabhängig wäre: Sie massen die Entfernung vom Agenten zum Ereignis, bestimmten die Häufigkeit der Phänomene und setzten sie zur Distanz in Beziehung und kamen nach der mathematischen Aufbereitung der Daten zu der Hypothese eines Psi-Feldes, das, ähnlich einem elektromagnetischen Feld, den Agenten umgibt. Es muss allerdings eingeräumt werden, dass auch diese Beobachtungen psychologisch gedeutet werden können. |
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