| Phänomenologische Methode |
| Die Phänomenologie ist eine von Edmund Husserl (1859-1928) begründete Erkenntnistheorie, für die zwei Erkenntnisschritte grundlegend sind: die eidetische und die phänomenologische Reduktion. Eidetik wird hier nicht im psychologisch üblichen Sinn als Fähigkeit zum bildhaften Reproduzieren von früher Gesehenem gebraucht, sondern meint ein Zurückgehen auf die Ideen hinter den Begriffen, womit jedoch noch nichts über ihre Seinsweise gesagt wird. Wichtig für die Parapsychologie ist dabei der Gedanke, dass es legitim ist, die Essenz von etwas zu betrachten, ohne dass die Frage seiner Existenz vorher geklärt sein muss. In der phänomenologischen Reduktion wird das Phänomen als (psychischer) Inhalt, als Gegebenheit des Bewusstseins untersucht. Voraussetzung ist, dass jeder Art Phänomen eine konkrete Weise des Gegebenseins im Bewusstsein entspricht. Nur sie erlaubt das adäquate Erfassen. Sind Epochen (oder z. B. wissenschaftliche Schulen) blind für Erscheinungen, so heisst das nicht, dass es die Phänomene nicht gibt, sondern die Gegebenheitsweisen sind im Bewusstsein nicht ausgebildet, verdrängt oder verschüttet. Da die Phänomenologie Husserls keine Psychologie, sondern eine Philosophie ist, geht es dabei nicht um das individuelle empirische Bewusstsein, sondern um die Idee des Bewusstseins. Dieses Bewusstsein bildet nicht ab - das tut die Netzhaut -, sondern ist ein unableitbares Urphänomen, charakterisiert durch sein Gerichtetsein auf das Erfassen eines Gegenstandes, seine Intentionalität. Dieser Gegenstand ist das Phänomen als Bewusstseinskorrelat, kein realer Gegenstand, er kann sich aber auf einen solchen beziehen. Die Gegenstandsseite nennt Husserl Noema, die Erlebnisseite Noesis (von griechisch neotikos; das Denken betreffend). Phänomenologische Ansätze unsystematischer Natur, ohne Bezug auf Husserl, gab es bereits in der Parapsychologie (z. B. Garrett, Telepathy (1941) und Awareness (1943), und Sherman, Toughts Through Space, (1957), doch erst von Husserls Schülerin Walther wurde die phänomenologische Methode für die Parapsychologie wissenschaftlich fruchtbar gemacht. Wichtig dabei ist vor allem - etwa in der ASW-Differenzierung - die Frage - Was wird in der Telepathie übermittelt - die Kenntnis der affizierenden Reize (noematisch) oder der dazugehörige Begriff (noetisch)? Walther findet so zu einer eingeschränkten Definition der Telepathie, die, als nicht ableitbares Phänomen (Urphänomen), das Mitschwingen der spezifischen seelischen Qualität des Senders einschliesst. |
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