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Parapsychologie
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Meyrink, Gustav, vor Namenswechsel Meyer

Deutscher Schriftsteller in der Tradition E. T. A. Hoffmanns und E. A. Poes.

Als Übersetzer widmete er sich vor allem dem Werk von Dickens, Flammarion und Kipling.

1891 war Meyrink Mitbegründer der theosophischen Loge Zum blauen Stern in Prag.

Es folgten Begegnungen mit dem Weber und Mystiker Alois Mailänder (1844-1905), dem Prager Okkultisten Karl Weinfurter (1870-1942) und Steiner.

Meyrink war Mitglied verschiedener Orden und Bruderschaften (Freimaurer, Rosenkreuzer).

Er widmete sich systematisch der Erforschung paranormaler Phänomene und entwickelte selbst entsprechende Fähigkeiten.

Während einer Sitzung mit Eva C. nahm er Ektoplasma (Gespensterklebstoff wie A. Talhoff im Vorwort zu Meyrinks Golem, 1946, schreibt) an sich und liess es hinterher analysieren (es wurde Eiweiss festgestellt).

 

Nach einem Spukerlebnis meinte Meyrink:

Ich wurde Augenzeuge derart krasser mediumistisch-physikalischer Vorgänge in einem Spukhaus in Levico, dass kein Zweifel mehr für mich bestehen konnte: es gibt, wenn auch sicher sehr selten, Phänomene, die alles, was die Wissenschaft über die Gesetze des Stoffes zu wissen vermeint, sozusagen auf den Kopf stellen.

Meyrink beschäftigte sich mit Exteriorisationen, alchimistischen Transmutationen (einmal erzielte er einen chemisch nicht erklärbaren Farbwechsel in der Retorte), mit ASW-Phänomenen unter Drogeneinfluss und mit Yoga.

 

Seine ersten Selbstversuche mit Haschisch bereiteten ihm nur Übelkeit. Über einen Händler aus Kairo erhielt er eine weitere Quantität der Droge mit der Anweisung: Sie müssen 30 g in schwarzem Kaffee auflösen und dann trinken. Dabei müssen Sie einen Bambusstab in die Hand nehmen: wenn der Keph (Rausch) eintritt, werden Sie die Empfindung bekommen, der Stab sei eine Leiter. Auf dieser Leiter müssen Sie hinaufklettern ... Ich fragte: Wohin komme ich dadurch? - In den Himmel!

Auf Anraten eines Arztes, der diesen Versuch für lebensgefährlich hielt, nahm Meyrink im ersten Versuch nur 10 g.

Er erlebte ein Gefühl des Wachsens, einen kalten Rausch, die Sinne schienen ausserordentlich geschärft.

Leise Geräusche hörte ich wie Donner. Von Ekstase irgendwelcher Art keine Spur. Vielmehr nahm eine seelische Nüchternheit von mir Besitz, wie ich sie nie vorher im Leben gekannt habe, ... dass ich zeitweilig glaubte zu fliegen. Meyrink sah sich plötzlich selbst in einer asiatischen Tracht. Das Bild zerriss, weil einer der Anwesenden einen Beweis von Hellsehen verlangte.

Gerade als Meyrink antworten wollte:

Ich wüsste nicht, wie ich das anstellen sollte, tauchte vor ihm ein Bild auf:

Er sah einen verspäteten Gast, beschrieb Kleidung, Verhalten, Blick auf die Uhr, Besteigen einer Droschke usw. - der Betreffende bestätigte nachher das Gesicht.

Ein anderer Besucher fragte nach Börsenkursen. Meyrink diktierte 20 Notierungen vom künftigen Dienstag: Nordböhmische Kohlen, diktierte ich eiskalt und geradezu gelangweilt, Nordböhmische Kohlen-Aktien: 414! - Dummes Zeug! murmelte Herr von Unold, heute noch mit 394 aus Wien gemeldet ...  Die Angaben für 16 Papiere erwiesen sich als richtig, sie stimmten nicht für die 4, von denen Meyrink selbst welche besass.

Bei eigenen körperlichen Leiden (Rückenmarkserkrankung, Zucker) erzielte Meyrink Besserung durch Yoga, den er nicht als Anfang eines Weges, sondern als dessen Ende betrachtete. Ein seelisch-geistiger Zustand geht ihm voraus, in dem diese Atemeinstellungen, Herzstillstand usw. ganz von selbst auftreten.

Systematisch versuchte Meyrink, sich der inneren Schau zu nähern:

... führte ich durch drei Monate das Leben eines beinahe Wahnsinnigen, ass nur Vegetabilien, schlief nicht länger als drei Stunden in der Nacht, genoss zweimal täglich einen in Wassersuppe aufgelösten Esslöffel voll Gummi arabicum (dies sollte besonders wirksam sein zur Entwicklung des Hellsehens!), machte um Mitternacht schmerzhafte Asana-Stellungen mit verschränkten Beinen, dabei den Atem anhaltend, bis schaumiger Schweiss meinen Körper bedeckte und der Tod des Erstickens mich durchrüttelte.

 

Die erste Vision erlebte er auf einer Bank an der Moldau:

Stundenlang hatte er in den Himmel gestarrt, als ihn plötzlich die Frage nach der Uhrzeit durchzuckte.

Im Moment des Herausgerissenwerdens aus der Versenkung hatte er dann das visionäre Erlebnis:

Am Himmel sah er eine riesige Uhr, die die Zeit angab. Dabei verspürte er eine Verlangsamung des Pulses: Das wunderbare Gefühl, eine Hand hielte mein Herz fest.

Es gelang ihm, solche Erlebnisse zu wiederholen.

Die Empfindungen dabei beschreibt Meyrink nicht als traumartig, sondern als einen Zustand abnormen Wachseins.

In Prag, Wien und München, seinen Hauptwirkungsstätten, hatte Meyrink viele Kontakte zu Künstlern und Literaten.

Er kannte auch Erich Mühsam (1878-1934), dem er, wie Mühsam selbst berichtete, vorausgesagt haben soll, den Krieg würde er gut überstehen, vor einer Revolution aber müsse er sich hüten (als Mitglied des Zentralrates der Münchner Räterepublik wurde Mühsam zu 15 Jahren Festung verurteilt).

Literarische Ambitionen, parapsychologischer Forscherdrang und okkultistische Neigungen bestimmen Meyrinks Werk gleichermassen.

Bekenntnis und wissenschaftliche Aussage sind derart ineinander verschränkt, dass es unmöglich ist, das parapsychologische vom literarischen zu trennen.

Meyrinks paranormale Fähigkeiten (Ich selbst habe beobachten können, dass ein Seifenbüchschen durch meine Hand mehrmals hindurchging, 1923), seine grenzwissenschaftlichen Interessen (lediglich der Astrologie stand er ablehnend gegenüber) und seine literarischen Sujets müssen vor dem Hintergrund persönlicher komplizierter psychischer Konstellationen (Mutterfixierung, Kompensation des Makels der unehelichen Geburt und anderes mehr) gesehen werden.

C. G. Jung nannte ihn einen visionären Dichter und drückt damit die Überzeugung aus, Poesie biete einen (ausserwissenschaftlichen) Zugang zur Welt des Paranormalen.

 

 

 

 

 

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