| Mantik (von griechisch mantis; Seher, und mantike; Wahrsagekunst; lateinisch divinatio |
| In der Antike der Versuch, Unbekanntes, Zukünftiges, den Willen der Götter zu erfahren. Seit Cicero - der hierin auf Platon zurückgeht - unterscheidet man zwischen intuitiver Mantik (göttliche Offenbarungen, z. B. im Traum oder in der Ekstase des Sehers, darauf weist auch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes mainesthai, rasen, hin) und induktiver Mantik. Die induktive Mantik ist ein regelhafter, teilweise mechanischer Prozess. Bereits in der Antike waren über 100 verschiedene Verfahren bekannt: Deutung wunderbarer und ungewöhnlicher Naturereignisse, die als Zeichen verstanden wurden. Interpretation alltäglicher Erscheinungen wie das Rauschen in den Bäumen oder das Verhalten von Tieren. Vorhersagen mit Hilfe vorgefertigter Geräte wie beim Losorakel. Beschwören der Toten, damit sie bestimmte Auskünfte erteilen. In den meisten Fällen war die Deutung Kundigen vorbehalten, die Mantik selbst an Gerätschaften oder Medien gebunden. Auch bestimmte Lokalitäten (beispielsweise heilige Haine) und (Tages-, Jahres-)Zeiten spielten eine Rolle. Aleuromantie - Mantik mit Weizenmehl. Alphitomantie - Mantik mit Gerstenmehl oder Graupen. Arithomantie - Mantik anhand des Zahlenwerts der Buchstaben eines Namens oder Begriffs. Astragalomantie - Mantik aus mit Zeichen versehenen Knöcheln, mit denen gewürfelt wurde. Da der Schwerpunkt eines Knöchels nicht in seiner Mitte liegt, sind bestimmte Seiten beim Würfeln häufiger. die selteneren Würfe galten als die besseren. Regelhaft waren die Wurfkombinationen nach Göttern, Heroen, bedeutenden Menschen oder bestimmten Ereignissen benannt. Eine Form der Weissagung war, eine Beziehung zwischen dem Namen des Wurfs und der Frage an das Orakel zu konstruieren. Mehrere, teils sehr komplizierte Systeme scheinen in der Arithomantie in Gebrauch gewesen zu sein. Astromantie- Mantik aus Sternbildern, Ausdeutung des Sternenhimmels, astrologische Zukunftsdeutung. Belomantie - Pfeilorakel. Die verbreitetsten Techniken waren im Orient das Schiessen auf ein Ziel, das einen Sachverhalt oder einen Gegenstand versinnbildlichte. Auch das Ziehen oder Schütteln beschrifteter Pfeile aus einem Köcher (Lostechnik), das Treffen oder die Art des Vorbeischiessens wurden mantisch gedeutet. Biomantie - divinatorische Vorhersage der Lebensdauer, z. B. im Rahmen der Chirologie. Cephalomantie - Mantik aus den Kopfbewegungen eines Tieres oft eines Esels. Coscinomantie - Sieborakel, möglicherweise verwandt mit Aleuromantie und Alphitomantie. Das Sieb galt als ein Kennzeichen der Magier. Daktylomantie - Ringweissagung, Pendeln mit einem an einem Faden aufgehängten Ring (Pendel). Daphnomantie - Mantik mit Hilfe des Lorbeers. Gastromantie - besondere Form der Hydromantie: Bauchige Glasgefässe wurden mit Wasser gefüllt und angeleuchtet. In den Spiegelungen auf der Wasseroberfläche wurden Bilder gesehen und gedeutet. Hippomantie - Mantik aus dem Gewieher von der Gottheit geweihten Pferden. Hydromantie - Wasserwahrsagung, eine orientalische, bei den Griechen nur selten angewandte Form der Zukunftsdeutung aus Erscheinungen in und über dem Wasser von Quellen und Strudeln, in Schalen, Gläsern usw. So wird z. B. Öl in ein Gefäss mit Wasser gegossen und die sich bildenden Formen des Ölflecks gedeutet. Oder man starrt auf eine wassergefüllte Schale und sieht plötzlich oder allmählich in einer Vision eine bestimmte Szene auf der Wasseroberfläche, die ausgedeutet wird. Kapnomantie - Zusammenfassung bestimmter antiker Orakelformen, vor allem der Libanomantie (Mantik aus dem Rauch verbrennenden Weihrauchs) und der Pyromantie (Mantik aus den Flammen oder dem Rauch des Brandopfers) Katoptromantie - Spiegelweissagung (Spiegel waren in der Antike aus poliertem Metall, vor allem Kupfer). Keromantie - Mantik aus Formen, die tropfendes Wachs in Wasser bildet (Kylikomantie), oder aus Gestalt und Bewegungen einer Kerzenflamme und ihrer Wachstropfen (Lychnomantie). Kledonomantie - Weissagung, die Erscheinungen als Vorzeichen deutet. Kleromantie - antikes Losorakel. In früher Zeit bestanden die Lose aus Steinchen, Scherben oder Holzstückchen, trugen bestimmte Kennzeichen und wurden in einem Heim geschüttelt und dann von den Beteiligten gezogen. Später wurden kunstvollere Steine oder Stäbchen verwandt und statt des Halms eigene Losgefässe (klärotis) genommen. In einem anderen Verfahren wurden die Lose in bestimmter Weise auf den Boden geworfen und dann ihre Lage gedeutet. Kraniomantie - Schädelweissagung, z. B. aus der Beschaffenheit der Tierschädel nach einem Brandopfer, aber auch Mantik mit Hilfe eines Totenschädels, den der Seher anblickt oder auf den er die Hand legt, um so eine Verbindung mit dem Jenseits herzustellen Krithomantie - Mantik aus Gerstenkörnern, z. B. Ausdeutung der Art und Weise, in der ein Hahn Gerstenkörner pickt. Kybomantie - Würfelweissagung. Kybomantische Verfahren können als Vorläufer unserer heutigen Würfelspiele betrachtet werden. Lampadomantie - Mantik aus den Figuren, die (Fackel-)Flammen bilden. Auch die Brenndauer der Fackel wurde berücksichtigt (Gedanke des Lebenslichts steht wohl dahinter). Lekanomantie - Mantik mit Hilfe eines Beckens oder einer Schale. Dabei kann es sich um eine Hydromantie handeln, aber auch akustische Erscheinungen können eine Rolle spielen. Lithomantie - Mantik mit Hilfe geschliffener Steine (Gemmen oder Kameen), die als Los benutzt oder intensiv fixiert wurden, um so einen autohypnotischen Effekt zu erzielen, der es, nach heutiger Ansicht, unbewussten Inhalten ermöglicht, ins Bewusstsein aufzusteigen. Lynomantie - Mantik mit Hilfe einer Lampe, in welcher der damaligen Vorstellung zufolge ein gebannter Dämon sass, der Auskünfte geben konnte (vgl. Aladins Wunderlampe in den Geschichten aus 1001 Nacht). Auch das Erzeugen eines autohypnotischen Effekts beim Fixieren der Lampe mag von Bedeutung gewesen sein. Nektromantie - Bei Paracelsus die Beschwörung persönlicher und familiärer Schutzgeister. Onymantie (Onychmantie) - Art der Kristallomantie mit Hilfe eines Fingernagels. Ooskopie - Mantik aus Eiern. Orneomantie (Ornithomantie) - Vogelschau, das antike Augurium. Pegomantie - hydromantische Orakel, gelegen an einer Quelle. Plumbomantie - Mantik aus den Formen gegossenen Bleis. Rhabdomantie - Losen mit Holzstäbchen, Schütteln stumpfer Pfeile im Köcher, vielleicht auch Mantik mit Hilfe einer Wünschelrute. Rhapsodomantie - Mantik aus Versen, die man scheinbar zufällig, angeblich aber infolge göttlicher Eingebung aufgeschlagen hat. Sphondylomantie - Mantik aus Rückenwirbeln. Theomantie - Mantik aufgrund (vermuteter) göttlicher Inspiration. Trapezomantie - Mantik mit Hilfe eines Tisches, möglicherweise ein Vorläufer des neuzeitlichen Tischrückens. Tyromantie - antikes Ordal: Der Beschuldigte musste Käse und Brot essen. Vermochte er eine bestimmte Menge davon nicht in vorgeschriebener Zeit zu schlucken, so galt er als schuldig, d. h., eine angstbedingte physiologische Reaktion wurde als Wink der Gottheit verstanden. Xylomantie - Mantik mit Hilfe hölzerner Würfel oder hölzerner Lose (Runenstäbe). |
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