| Lateau, Louise |
| Belgische Stigmatisierte. Der Fall Lateau ist einer der wenigen medizinisch gut untersuchten Fälle von Stigmatisation. Die Wundmale traten erstmals nach einer mehrtägigen Mutter-Gottes-Andacht (Louise Lateau war damals Novizin) im April 1868 auf und wiederholten sich jeden Freitag bis zu ihrem Tode. Eine Untersuchung, von der Académie royale de médecine de Belgique veranlasst, bestätigte die Echtheit des Phänomens. Unter anderem hatte man im Rahmen der Untersuchungen eine Hand der Lateau 24 Stunden vor dem zu erwartenden Eintritt der Blutungen in einen hermetisch verschlossenen Kasten als Handschuh gesteckt - das Zufügen einer Wunde, durch Kratzen z. B., war damit ausgeschlossen -, dennoch erschienen die Stigmata. - Auch ASW-Phänomene sollen aufgetreten sein. Auf der obern Seite jeder Hand findet man eine 21/2 cm lange, ein wenig eingedrückte, ovale Fläche, welche sich von der übrigen Haut durch stärkeres Rot und grössere Glätte unterscheidet. Diesselbe befindet sich in der Mitte der beiden Handflächen. Auf der obern Seite der beiden Füsse zeigt sich die Hautvertiefung in Form eines ca. 3 cm langen Carrés mit abgerundeten Winkeln. An den Fusssohlen ist es wie an den Händen. Untersucht man die einzelnen Partien mit einem Vergrösserungsglas, so ist zunächst zu konstatieren, dass die Epidermis (Oberhaut) vollständig geschlossen ist, sie ist zwar dünn, aber ohne den geringsten Ritz ... Die ersten Symptome ... machen sich in der Regel Donnerstag gegen Mittag geltend. Auf den geröteten Flächen sieht man eine Blase entstehen und sich allmählich erheben. Ist diese zu ihrer vollständigen Entwicklung gelangt, so springt sie auf und ergiesst eine durchsichtige Flüssigkeit, gleichzeitig aber dringt auch schon das Blut aus der Unterhaut (Corium) hervor, ohne irgendeine Verletzung derselben. Mit Hilfe des Vergrösserungsglases ist zu sehen, dass das Blut durch kleine Öffnungen sich ergiesst ... Bemerkenswert..., dass die an die Wunde grenzenden Teile nicht die (!) geringste Geschwulst oder Röte aufweisen ... Es ergab sich, dass das Plasma vollständig durchsichtig war, ohne jede Spur von Blutfarbstoff. Die roten Kügelchen hatten ihre reguläre Form, die weissen waren in normaler Zahl vorhanden ... muss noch erwähnt werden, dass die Stigmata Sitz sehr grosser Schmerzen sind . . . Der Arzt Warlomont klassifizierte in seinem Bericht an die Akademie (1875) Lateaus Leiden als Stigmatische Neuropathie. Der deutsche Pathologe Rudolf Virchow (1821 bis 1902) lehnte die ihm angebotene Möglichkeit, die Lateau zu untersuchen, ab. Auf dem Naturforscherkongress in Breslau, 1874, verwarf er die Erscheinung als absolut unmöglich. |
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