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Parapsychologie
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Goethe, Johann Wolfgang v.

Der als Naturwissenschaftler bei seiner Suche nach den Urphänomenen auch Wege jenseits der akademischen Wissenschaften beschritt, stand dem Okkulten durchaus positiv gegenüber.

 

Geradezu abergläubisch hielt Goethe an Vorbedeutungen fest:

Er war überzeugt, dass kleinere Unfälle die Vorboten grösserer sind, dass man nichts vorher aussprechen (berufen) dürfe, wenn es gelingen soll, und ähnliches mehr.

Ausdrücklich bejahte er die aussersinnlichen Erfahrungen:

Soviel ist wohl gewiss, dass in besonderen Zuständen die Fühlfäden unserer Seele über ihre körperlichen Grenzen hinausreichen können und ihr ein Vorgefühl, ja auch einen wirklichen Blick in die nächste Zukunft gestattet ist

Über die nächste Zukunft hinaus ging der Blick in dem bekannten Doppelgängererlebnis, das er nach seinem Abschied von seiner Sesenheimer Freundin Friederike Brion hatte:

Als ich Friederike die Hand noch vom Pferde reichte, standen ihr die Tränen in den Augen, und mir war sehr übel zu Mute. Nun eilte ich auf dem Fusspfade gegen Drusenheim, und da überfiel mich eine der sonderbarsten Ahnungen. Ich sah nämlich, nicht mit den Augen des Leibes, sondern des Geistes, mich mir selbst denselben Weg zu Pferde wieder entgegenkommen und zwar in einem Kleide, wie ich es nie getragen: es war hechtgrau mit etwas Gold. Sobald ich mich aus diesem Traume aufschüttelte, war die Gestalt ganz hinweg. Sonderbar ist es jedoch, dass ich nach acht Jahren in demselben Kleide, das mir geträumt hatte, und das ich nicht aus Wahl, sondern aus Zufall gerade trug, mich auf demselben Wege fand, um Friederike noch einmal zu besuchen. Es mag sich übrigens mit diesen Dingen, wie es will, verhalten, das wunderliche Trugbild gab mir in jenen Augenblicken des Scheidens eine Beruhigung.

Nicht Zufall, sondern (unbewusster) Erfüllungszwang mag schuld gewesen sein, dass Goethe gerade dieses Gewand trug. Bemerkenswert jedenfalls ist der Trost, den der Doppelgänger spendet.

 

Neben dieser vision de soi stehen verschiedene spukhafte Vorgänge, die Goethe erlebte:

Mehrfach sah er Gestalten und Schemen. In seiner Umgebung wurden gelegentlich Klopflaute gehört, und mehrere Quellen berichten von phantomartigen Erscheinungen, die in seinem Arbeitszimmer und in seinem Garten - auch nach seinem Tod - gesehen wurden.

Mimikry-Geräusche, und zwar Holzhacken und -sägen, sollen seinem Tod vorausgegangen sein.

Nataly von Eschstruth (1860-1939) bringt in ihrer Sammlung Spuk (1897) einen Bericht, für den sich der weimarische Geheimrat Klemm verbürgt.

Klemm ging 1813 mit Goethe spazieren. Plötzlich sah Goethe seinen Freund Friedrich Rochlitz, seltsamerweise in Goethes Morgenrock und Pantoffeln: Wahrhaftig, er ist es! Freund Friedrich! Hier in Weimar! Aber um Gottes willen, Mensch, wie siehst du aus? In meinem Schlafrock - in meinen Morgenschuhen gehst du hier auf offener Strasse?! - Klemm sah von der Erscheinung nichts.

Tatsächlich war Rochlitz Goethe besuchen gekommen und wartete in dessen Wohnung. Vom Regen durchnässt, hatte er seine Kleidung abgelegt und sich aus Goethes Kleiderschrank etwas geliehen. Auf dem Sofa anschliessend eingenickt, träumte er realistisch die Begegnung mit Goethe.

Verständlich, dass Parapsychisches auch vielfach ins Werk Eingang fand, und nicht nur in den Faust.

Man denke z. B. an den komplizierten Fall von Versehen beim im doppelten Ehebruch gezeugten Kind in den Wahlverwandtschaften.

In den Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter werden mehrere paranormale Ereignisse erwähnt, und in einer Deutung klingt geradezu etwas Archetypisches an: ... eine einzelne Handlung oder Begebenheit ist interessant, nicht weil sie erklärbar oder wahrscheinlich, sondern weil sie wahr ist.

Den Schluss der Unterhaltungen bildet das Märchen. Es kann als poetische Paraphrase der Individuation gedeutet werden.

Über Astrologie, animalischen Magnetismus und Wünschelrutengehen äusserte sich Goethe reserviert, aber zustimmend.

Eine geheime Sympathie in der Natur war ihm selbstverständlich und sowohl praktisch als auch dichterisch beschäftigte er sich mit Alchimie und Magie (Der Gross-Kophta, Faust).

Besondere Erwähnung verdient die seltsame Gestalt der Makarie als Mensch, Seherin und zugleich Alter Ego eines Sterns (Wilhelm Meisters Wanderjahre).

Fragen der Mystik und vor allem der Unsterblichkeit wurden von Goethe im Gespräch mit Falk erörtert.

Goethes Einstellung zur reinen Wissenschaft, zur Farbenlehre, zu Fragen der Mystik und des Parapsychischen wurde vor allem im anthroposophischen Denken aufgegriffen.

 

 

 

 

 

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