| Freud, Sigmund |
| Österreichischer Arzt, Begründer der Psychoanalyse. Zeit seines Lebens interessierte Freud sich für das Okkulte und Paranormale. Er war Mitglied der A. S. P. R. (American Society of Psychical Research) und Ehrenmitglied der S. P. R. (Society of Psychical Research) Dass er das Parapsychische in der Psychoanalyse nicht thematisierte, mag daran liegen, dass er fürchtete, die Anerkennungsschwierigkeiten für die Psychoanalyse dadurch noch zu vergrössern. An Carrington schrieb Freud am 1.8.1921: Wenn ich mein Leben noch einmal zu leben hätte, würde ich mich lieber der Parapsychologie als der Psychoanalyse widmen. Sein Biograph, der englische Psychoanalytiker Ernest Jones (1879-1958), spricht im Hinblick auf Freuds parapsychologische Interessen von Seitensprüngen in den Bereich des reinen Unsinns. Es muss aber genau unterschieden werden zwischen dem abergläubischen Freud, der in primitiven pseudokabbalistischen Zahlenspielen Todesdatum, Krankheiten und Lebensrhythmen bei sich entdeckte und dem Wissenschaftler Freud, der die Telepathie für ein erwiesenes und auch von ihm beobachtetes Faktum hielt, die anderen parapsychischen Erscheinungen (Hellsehen, Präkognition, PK) aber noch weiter untersucht wissen wollte. Der selbst an PK-Séancen teilnahm, ohne jedoch zu einem positiven Urteil zu gelangen. Ich habe in meinen persönlichen Erfahrungen auf dem Gebiet des Okkultismus kein Glück gehabt, nie etwas erlebt, was der nachträglichen Kritik standgehalten hätte - mit einer einzigen Ausnahme. Ich musste in wenigstens 2 Fällen durch Analyse von Prophezeiungen (die, nebenbei, nicht eingetroffen sind) die Wahrscheinlichkeit anerkennen, dass es Gedankenübertragung auf anderem als physischem Wege gibt. In den Kleinen Beiträgen zur Traumlehre verweist er darauf, dass die Prophezeiungen professioneller Wahrsager, unabhängig davon, ob sie sich erfüllen, oft Material darstellen, das den affektgeladenen Wünschen der Klienten paranormal entnommen wurde und daher mit psychoanalytischen Mitteln deutbar sind. Die Theorie der Psychoanalyse bietet mehrere Konzepte, die für die Parapsychologie fruchtbar wurden oder werden könnten. Parapsychologisch relevant sind die Freudschen Texte Traum und Telepathie, Traum und Okkultismus, Die okkulte Bedeutung des Traumes und Psychoanalyse und Telepathie. Sozialpsychologisch bedeutsam ist Freuds Vermutung, Telepathie könne in Gruppenprozessen auftreten: Man weiss bekanntlich nicht, wie der Gesamtwille in den grossen Insektenstaaten zustande kommt. Möglicherweise geschieht es auf dem Wege solch direkter psychischer Übertragung. Man wird auf die Vermutung geführt, dass dies der ursprüngliche, archaische Weg der Verständigung unter den Einzelwesen ist, der im Laufe der phylogenetischen Entwicklung durch die bessere Methode der Mitteilung mit Hilfe von Zeichen zurückgedrängt wird, die man mit den Sinnesorganen aufnimmt. Aber die ältere Methode könnte im Hintergrund erhalten bleiben und sich unter gewissen Bedingungen noch durchsetzen, z. B. auch in leidenschaftlich erregten Massen. (Aus Traum und Okkultismus) In deutlicher Jung-Nähe steht Freud mit folgendem Zitat: Darüber hinaus bringt der Traum Inhalte zum Vorschein, die weder aus dem reifen Leben noch aus der vergessenen Kindheit des Träumers stammen können. Wir sind genötigt, sie als Teil der archaischen Erbschaft anzusehen, die das Kind, durch das Erleben der Ahnen beeinflusst, vor jeder eigenen Erfahrung mit sich auf die Welt bringt. Die Gegenstücke zu diesem phylogenetischen Material finden wir dann in den ältesten Sagen der Menschheit und in den überlebenden Gebräuchen. |
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