| Direkte Schrift |
| Seltenes, aber altes Phänomen - denkt man z. B. an den Bericht im Buch Daniel (5, 5; Menetekel) oder an die Tafeln des Dekalogs. Ohne erkennbare oder erklärbare Beteiligung eines Mediums entstehen mittels vorbereitetem Material oder auch völlig spontan Schriftzüge auf irgendeiner Unterlage. In der Neuzeit trat das Phänomen bei dem Baron Güldenstubbe auf. Angeblich sahen viele Zeugen die Schriftzüge sich bilden..., vor ihren Augen bei hellem Tages- oder Kerzenlicht. Allerdings scheinen diese Versuche nicht hinreichend gegen einen möglichen Betrug abgesichert gewesen zu sein. Bei den Sitzungen der Paladino (ein des Schreibens fast gänzlich unkundiges Medium) traten mehrfach Schriftmanifestationen auf. In einem Fall nahm sie den Finger eines Versuchsleiters (Schiaparelli) und fuhr mit ihm in schreibähnlichen Bewegungen über einem Blatt Papier durch die Luft: Auf dem Papier bildete sich Schrift. Häufig liest man auch von Schrift, die durch materialisierte Hände oder vollmaterialisierte Phantome (z. B. Katie King) produziert wurde. Crookes schreibt über eine Sitzung mit Kate Fox, dass eine leuchtende Hand von oben kam, ihm seine Feder aus der Hand nahm, schrieb, die Feder wegwarf und wieder nach oben in die Dunkelheit verschwand. Oft wird behauptet, dass Direkte Schrift mit grosser Geschwindigkeit entsteht. Auch Xenographie, d. h. Text in einer Sprache, die kein Anwesender kennt, soll in Direkter Schrift aufgetreten sein. Doyle war der Ansicht, dass auch der Dermographismus eine Form von Direkter Schrift sei, hervorgerufen durch extrasomatische Wesenheiten. Mit der Direkten Schrift verwandt scheinen Direkte Flammenschrift in der Luft oder am Himmel und eingebrannte Hände bei Poltergeiststörungen (häufiger wird bei Spukfällen von Direkter Schrift auf Zetteln oder Wänden - meist obszönen oder blasphemischen Inhalts - berichtet) sowie die Direkten Gravierungen, die neben Direkter Schrift in den Sitzungen des Mediums Silbert auftraten. Auch bei der Psychofotografie finden sich zuweilen Schriftzeichen oder ganze Texte. Direkte Schreibmaschinenschrift (angeblich unter anderem bei den Bangs-Schwestern) entspricht dem Spielen von nichtberührten Musikinstrumenten (eine um die Jahrhundertwende sehr oft behauptete Manifestation). Einen Fall betrügerischer Direkter Schrift schildert Dessoir: Da war einer, der auf die Innenfläche von zwei fremden, durch Schrauben zusammengehaltenen Tafeln Schriftzüge zu zaubern imstande war. Er hielt die Tafeln für Augenblicke zwischen Tisch, Stuhl und Schenkeln fest, holte aus einer Geheimtasche an der Innenseite der Hose einen kleinen Keil aus weichem Holz, presste damit die Tafeln weit genug auseinander, um mit der an einem überzogenen Fingerling befindlichen Spitze hineinzukommen, und schrieb nun schnell ein paar, freilich schwer lesbare, Wörter hinein. |
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