| Dessoir, Max |
| Deutscher Mediziner und Philosoph, Professor für Psychologie, der sich sein Leben lang mit parapsychologischen Problemen beschäftigte. Seine zunächst vorsichtige Haltung mag folgendes Zitat illustrieren: Überblickt man also alles, was uns über die Seherin von Prevorst überliefert ist, so erhält man den Eindruck, dass die Beobachtung teils dilettantisch, teils durch vorgefasste Meinung beeinflusst war. Nur wenig bleibt übrig, woraus wir allenfalls den Schluss ziehen dürfen, dass die Seherin von Prevorst jene ebenso seltenen wie seltsamen Fähigkeiten besass, die auch heute noch bei einigen Individuen vorhanden sein sollen. Sichere Feststellungen darüber sind bei der Dürftigkeit und wissenschaftlichen Unzulänglichkeit der Berichte völlig ausgeschlossen. Diese Zurückhaltung wurde ihm nicht immer gedankt: . . . einer der peinlichsten unglücklichen Liebhaber des Okkulten, die uns je beschert wurden. Universitätsprofessor, Ästhet und Journalist, nicht ohne Charme und Witz, aber ohne Tiefe, las er Kollegs über Parapsychologie und schrieb dicke Bücher über okkulte Probleme, ohne je zu anderen Resultaten als zu einer selbstgefälligen Negation zu gelangen. Unfruchtbar blieb ihm die Metaphysik und blieb er ihr. Heute gilt dagegen, dass Dessoir einen wichtigen Platz in der Entwicklung der Parapsychologie einnimmt. Den allmählichen Gesinnungswandel illustriert ein Zitat aus Dessoirs letzter Veröffentlichung: Vielleicht, dass Lehren, die wir heute noch als okkultistisch bezeichnen, sich zu wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickeln. Ebenso wie aus der Alchimie die Chemie hervorging, würden dann die noch ungeklärten Sachverhalte der Telepathie und des Hellsehens, ja sogar der physikalischen Phänomene in die Form feststehender und begreiflicher Tatsachen übergehen. Dessoir war es auch, der der Parapsychologie ihren Namen gab: In einem Aufsatz in der Zeitschrift Sphinx schlug er vor, die Disziplin, die Phänomene untersucht, die sich weder der Psychologie des Normalen noch der Psychopathologie zuordnen lassen, Parapsychologie zu nennen. Die Aufhellung des Dunkels, das noch über diesen Erscheinungen liegt, stellte er sich nicht als blosses Entlarven und Reduzieren auf schon Bekanntes vor, sondern neben die sichtende Prüfung sollte das einfühlende Verstehen, das er an Bender so lobt, treten. Selbst das ausserparapsychologische Konzept der Synchronizität ist bei Dessoir schon antizipiert, denn man wird den Gedanken wagen dürfen, dass es sinnvolle Beziehungen zwischen gleichzeitigen, aber auch verschiedenen Ursachen entsprungenen Ereignissen gibt, die auf ein verborgenes Gefüge der Weltordnung weisen. Eine solche geheime Zusammengehörigkeit hätte es mit der Bedeutung der Vorgänge zu tun, keineswegs mit ihrem mechanischen oder psychologischen Entstehen |
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