| Dermooptik, Hautsehen |
| Ein Erfahren von Farben oder geschriebenen Texten durch die Haut (meist die der Fingerspitzen), das der optischen Wahrnehmung entspricht. Man spricht auch von einem dermal-optischen Sinn, Par(a)optik, eyeless sight (englisch; augenloses Sehen) und neuerdings in der Sowjetunion von Bio-Introspektion. In 3 Wellen wurde das Hautsehen in den letzten beiden Jahrhunderten für eine bestimmte Zeit populär. Zur Blütezeit des animalischen Magnetismus waren mehrere Fälle bekannt, die zum Teil mit verschiedenen Experimenten überprüft wurden. Ein Mädchen in Kerners Geschichte zweier Somnambulen (1824) besass diese Fähigkeit, ferner die Somnambule Koch und der Knabe Arst, der mit den Zehen sah. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts beschäftigte sich mit dem Phänomen der französische Universitätsprofessor Louis Farigoule, bekannter als Schriftsteller unter dem Pseudonym Jules Romains, der in seinem Buch La Vision extra-rétinienne et le Sens paroptique, 1921 (Das Sehen ohne Retina und der paraoptische Sinn), die Annahme eines bislang unbekannten Sinnes vorschlug. Ausser ihm arbeiteten zu der Zeit in Deutschland die Forscher Tischner (Augenarzt!), Wasielewski und in Russland Leontjew an dem gleichen Problem. 1962 wurde in der UdSSR der Fall der Rosa Kuleschowa bekannt, ein Mädchen, damals Anfang 20, das Farben unterscheiden und Buchstaben erkennen konnte, wenn sie den Finger auf die Vorlage legte. Der Tastsinn konnte dadurch ausgeschlossen werden, dass man die Vorlage auf eine Glasplatte projizierte. In den folgenden Jahren wurden weitere Personen mit dieser Fähigkeit bekannt, in der Sowjetunion waren es unter anderem die 9jährige Lena Blisnowa und die blinde Schülerin Nadia Lobanowa, in den USA die Hausfrau Patricia Ainsworth Stanley, die seit ihrer Schulzeit (1939) wusste, dass ihre Finger Farben unterscheiden konnten, dies aber für keine besondere Fähigkeit hielt. 5 Erklärungsmöglichkeiten bieten sich für die Dermooptik an: 1. Betrug 2. Hyperästhesie 3. spezieller (dermooptischer) Sinn 4. Telepathie 5. Hellsehen Betrug seitens der Versuchsleiter und/oder der Versuchspersonen darf für die Untersuchungen der letzten Jahre ausgeschlossen werden. Dagegen spricht auch die merkwürdige Übereinstimmung der Phänomene bis ins Detail bei Berichten aus verschiedenen Zeiten und Orten. Schliesst man Betrug aus, dann dürfen auch die alten Berichte und Experimente in der Theorienbildung voll berücksichtigt werden. Der Hyperästhesie-These, einer Überentwicklung des Hautsinns, steht eine ganze Anzahl von physiologischen Schwierigkeiten entgegen. Eine Versuchsanordnung, die zwischen dermooptischem Sinn, Telepathie oder Hellsehen zu differenzieren vermag, wurde noch nicht entwickelt. Die meisten der westlichen Forscher neigen aber dazu, Telepathie oder Hellsehen als Erklärung heranzuziehen. |
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