| Christina von Stommeln (1242-1312) |
| Deutsche christliche Ekstatikerin und Visionärin, seliggesprochen. Bei ihren oft ganz- oder gar mehrtägigen Gesichten und Zuständen scheint gelegentlich auch Paranormales (ASW und PK) aufgetreten zu sein. Katalepsie leitete gewöhnlich ihre Erfahrungen ein: Da fiel die Jungfrau plötzlich in eine solche Verzückung, dass sie in allen ihren Sinnen unbeweglich und am ganzen Körper erstarrt war und kein Lebenszeichen mehr von sich gab ... Man konnte gar kein Atemholen mehr an ihr bemerken, berichtet als Augenzeuge der ihr nahestehende schwedische Dominikanermönch Petrus von Dacien (gestorben 1289), ihr Seelenführer. Während dieses Zustands war das Bewusstsein, so scheint es, ausgeschaltet. Mit dem Abklingen der Katalepsie kehrte es jedoch allmählich zurück und nahm teil an der vermutlich schon früher einsetzenden visionären Schau. Auch diese war manchmal von körperlichen Phänomenen begleitet, etwa dem Auftauchen eines blumengeschmückten Kreuzes auf der linken Handfläche. Bei einem anderen Typus ihrer Ekstasen fehlte die kataleptische Initialphase: Die Verzückte verrichtete während des Gesichts bei Ausschaltung ihrer Sinne und des Bewusstseins weiter eine mechanische Tätigkeit (etwa Spinnen). Ausführlich werden bei Christina von Stommeln physische Phänomene beschrieben, die auch von anderen Ekstatikern berichtet werden: akustische (Jauchzen, Jubeln) und motorische (Zittern, Schütteln) Erscheinungen begleiten die Euphorie - die Seele springt im Leibe, nennt es Meister Eckhart. Bemerkenswert ist eine bestimmte Form von Auditionen der Christina von Stommeln: Die himmlische Musik, die die Entraffte hört, wird auch von Zeugen wahrgenommen und irgendwo zwischen Brust und Kehlkopf der Visionärin lokalisiert: Als sie einst vom Herrn redete, wurde sie plötzlich vom Geist ergriffen, und ihr Körper wie ein Kreisel ... in die Runde getrieben, mit solcher Schnelle, dass man wegen der Heftigkeit der Umdrehung nicht mehr die Form ihrer Glieder unterscheiden konnte. Als sie eine Zeitlang also umgelaufen, ruhte sie, als ob die Heftigkeit nachgelassen, mit allen ihren Gliedern. Nun begann aber zwischen Kehlkopf und Brust ein wundersames Singen, das niemand zu begreifen ... Nur das Fliessende der Musik und die Tonfolge war in diesem Gesang. Die Worte der Melodie aber, wenn man dergleichen je Worte nennen kann, klangen in gänzlich unbegreiflicher Weise mit ein (man vergleiche dazu die scats, sinnlose Silben im geistlichen und weltlichen Lied nordamerikanischer Neger). Indes ging weder aus ihrem Mund noch aus ihrer Nase ein Ton oder Hauch hervor. Denn nur innerhalb der Brust war diese engelgleiche Melodie beschlossen. Alle Glieder ihres Leibes waren indessen in tiefster Ruhe, und ihre Augenlider wie bei einem Schlafenden geschlossen ... Als sie ... erst recht zu sich kam, und von den anderen erfuhr, was sie getrieben, floh sie vor Scham und Bestürzung davon. |
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