| Böhme, Jakob |
| Evangelischer Mystiker. Der Schuhmacher aus der Lausitz entwickelte eine Lehre, in der traditionelle deutsche Mystik und Naturphilosophie zu einer eigenständigen Theosophie verschmolzen, die nachhaltig auf Idealismus, Pietismus und Romantik (besonders Baader, Hamann, Hegel, Novalis, Schelling) wirkte. Diese Lehre erwuchs aus der wortschöpferischen Beschreibung seiner Visionen und Erkenntnisse, deren Niederschrift bei einigen Werken (z. B. Aurora, 1612 verfasst) weitgehend bei geminderter Bewusstseinskontrolle erfolgte. Böhme verstand sich als Inspirierter. Seine Lehre kann als emblematische Theologie im Sinne Oetingers betrachtet werden. Schon als Kind hatte Böhme Visionen und ASW-Erfahrungen, als Lehrling ein Berufungserlebnis. Eine ekstatische Vision aus seiner Wanderburschenzeit schildert er in der Aurora mit den Worten: Ich weiss nicht, wie ich die Gehobenheit und das Siegesgefühl, das ich dabei empfand, beschreiben soll. Ich kann einen solchen geistigen Triumph nur als eine geheimnisvolle Geburt mitten im Tode bezeichnen. Es war wie eine Auferstehung von den Toten. Die Augen meines Geistes wurden aufgetan, und ich sah Gott in wunderbarem Lichte. Das innerste Wesen aller Dinge war erleuchtet. Von da an konnte ich Gott in allem, was da ist, erkennen - in den Tieren, in den Pflanzen und Gräsern. Ich verstand, was Gott ist und wie er ist. Doch muss ich sagen, dass diese glorreiche Erfahrung zu aufregend und zu blendend war, um für irdische Sinne voll verständlich zu sein. |
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