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Parapsychologie
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Besessenheit

Krankheitsbild auf der Grundlage des Glaubens, eine andere Wesenheit (Gottheit, Dämon, Verstorbener, auch lebender Mensch und selbst Tier) habe mit ihren spirituellen Teilen Besitz von einem lebenden Menschen genommen, wohne in ihm, handle und spreche durch und aus ihm.

Dabei tritt ein zweites Persönlichkeitsbewusstsein neben oder an die Stelle des ersten.

Im Ausdruck (z. B. Mimik, Sprechweise) verändert sich der Besessene - die Sprechinhalte gehören immer zur neuen Individualität -, und im Fall der Besessenheit durch einen Toten können Angleichungen an dessen bekanntes Gebaren und Aussehen auftreten.

Bei der dämonischen Besessenheit kommen sowohl fratzenartiges Aussehen als auch gewaltige motorische Leistungen vor.

Liegt Doppelbewusstsein vor, d. h. ist der Patient passiver Zuschauer dessen, was geschieht, spricht Oesterreich von luzider Besessenheit.

Den häufigeren Fall, dass nur die besitzende Persönlichkeit auftritt, die zwar den Besessenen kennt, nicht aber umgekehrt, kennzeichnet Oesterreicher als somnambule Besessenheit (oder dämonischer Somnambulismus).

 

Es gibt spontane und gewollte Besessenheit.

In der gewollten, oft kultischen Besessenheit (Umbanda) ist das Verhalten zum Teil ritualisiert.

So erkennt man in Westafrika an den Tanzschritten des Trancetänzers, welche Gottheit ihn gerade besitzt.

Belege für Besessenheit finden sich in allen Kulturen in jeweils typischen Ausprägungen.

Das Krankheitsbild der Besessenheit hat sich von den Berichten des Neuen Testaments bis zu den westeuropäischen Fällen des 19. Jahrhunderts nicht geändert.

 

Zur Entstehung der Besessenheit können mehrere Mechanismen beitragen:

 

  1. Eine ambivalente Gemütslage wird als Besessenheit interpretiert

  2. Der Glaube, besessen zu sein, hat eine Bewusstseinsspaltung zur Folge.

  3. Infektion

  4. Identifikation mit einem anderen (unter Umständen nach vorhergehender Halluzination)

  5. Die Besessenheit wird unwillentlich vom Arzt (Priester) oktroyiert.

  6. Aus Schuldbewusstsein kann die Besessenheit autosuggestiv hervorgerufen werden.

 

Die Analyse zeigt nach Oesterreich in allen Fällen, dass die dem zweiten Ich zugeordneten Prozesse und Seelenzustände ursprünglich dem primären Ich angehören (also keine echte Besessenheit im theologischen Sinne). Dagegen steht die Hypothese, dass in der Besessenheit durch einen Lebenden, d. h. im telepathischen Rapport, auch tatsächlich der andere agieren könnte.

 

Die notwendige Voraussetzung der Besessenheit ist der Glaube an die Möglichkeit der Besessenheit beim Patienten und in seiner Umwelt.

Besessenheit ist ein Theater, bei dem das Publikum mitspielt. So betrachtet ist der Exorzismus in gewisser Hinsicht Teil dieses Theaters.

 

Besessene sind auffallend häufig jüngere, sexualabstinente Frauen, bei denen der uneingestandene Drang zu erkennen oder zu vermuten war, mehr zu erleben und mehr zu bedeuten als die eigene Substanz hergab.

Tritt in dieser Situation der erotisch attraktive, aber unerreichbare Mann auf - sehr oft ein Priester, so kann das die Besessenheit auslösen.

Verschiedene Formen des Mediumismus jüngerer Zeit können als Verwandte der Besessenheit aufgefasst werden.

Im Spiritismus liegt sogar eine retheologisierte Form der Besessenheit vor.

 

Die katholische Kirche verlangt nach dem Rituale Romanum Zeichen für eine echte Besessenheit.

Diese Zeichen bestehen zum Teil in paranormalen Manifestationen wie Hellsehen und Xenoglossie und stellen das eigentlich parapsychologisch Relevante der Besessenheit dar.

 

Auf unvermutetes Vernehmen, dass zwei besessene Weibsleute in hiesiges Armenhaus gebracht worden, ging ich, Pfarrer, den 14. Dezember 1714 abends aus starkem Trieb meines Gewissens ins Armenhaus, und ... da fing bei der einen Besessenen ... alsbald der Paroxysmus damit an, dass der Satan aus ihr mich anfuhr: Du Narrenmaul! was tust du hier im Bettelhaus, du bekommst gewiss Läuse usw. - Ich gab ihm die Antwort: Durch das Blut, die Wunden und die Marter Jesu Christi sollst du überwunden und ausgetrieben werden!, worüber er heftig schnaubte und brüllte und schrie: Hätten wir Teufel Gewalt, wir wollten Himmel und Erde untereinander werfen usw., was Gott nicht sein will, das ist unser! ... Mittags um 11 Uhr kam diese Besessene auf mein Verlangen, aber nicht mit ihrem guten Willen, in hiesige Kirche, darin ich, um nach ihrem höchst jämmerlichen Zustand mich zu richten, den Gesang: Gott der Vater wohn uns bei singen liess und nach nötig befundener Vorbereitung auf der Kanzel die zwei merkwürdigen Stellen von etlichen Besessenen, Markus 5. und 9. Kapitel, mit angehängter Applikation so lange vorlas, bis der Satan aus der Besessenen mir auf die Kanzel schrie: Wann ist's einmal genug? Nach meiner erteilten Antwort: Wenn's Gott genug ist, dir Teufel ist's gleich genug! beklagte sich der Satan über mich: Wie quälest, wie plagest du mich! Wäre ich nur nicht in deine Kirche gegangen. Als er unverschämt sprach: Nur meine Kreatur muss leiden andern zum Exempel!, stopfte ich ihm sein Maul also: Teufel! Die Kreatur ist nicht dein, sondern Gottes! Dein ist Kot und Unflat, Hölle und Verdammnis in Ewigkeit, und als ich mit kräftigen Ausdrücken vom Namen Jesu auf den Satan zudrang, schrie er: O heiss! O heiss! O Qual! O Qual!, oder fuhr er mich zornig an: Was hast du für ein Geplapper? Während des Betens, Schreiens, Kämpfens der Gemeinde, marterte der Satan die arme Kreatur jämmerlich, brüllte aus ihr entsetzlich und warf sie so starr, so unempfindlich zur Erde nieder, dass sie lange eiskalt, ohne dass man einen Atemzug bemerkte, wie ganz tot dalag, bis sie endlich mit Gottes Hilfe wieder zu sich selbst kam ... Obwohl nun die Besessene auch diesmal wieder den Gebrauch der gesunden Vernunft, bei welchem sie sich, nota bene, niemals zu entsinnen wusste, was der Satan aus ihr geredet, erlangt, so liess ihr doch der Satan nach meinem Abschied nicht lange Ruhe, sondern quälte sie wie zuvor ...

Für viele Fälle von Besessenheit ist es typisch, dass, wie hier, gleichsam nach bestimmten Regeln Herrschaft attackiert wird.)

 

 

 

 

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