| Beauchamp |
| Der Fall der Miss Beauchamp ist einer der berühmtesten Fälle von Persönlichkeitsspaltung. Er wurde von dem amerikanischen Psychopathologen Morton Prince (gestorben 1929) untersucht, der allerdings den möglicherweise parapsychologisch relevanten Teil des Materials aus Abneigung gegen die Parapsychologie nicht veröffentlichte. Miss Beauchamp, eine Genfer Studentin, wurde mit 23 Jahren von Prince wegen nervöser Reizbarkeit behandelt. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass die psychische Einheit der jungen Frau seit 1893 zerfallen war. Prince begegneten verschiedene Persönlichkeiten: B l, die er die Heilige nannte, B Ill, der Teufel oder Sally, wie sie sich ansprechen liess, und B IV, von Sally die Idiotin genannt. B II war das hypnotische Ich von B I und B IV. B I und B IV kannten sich nicht, hatten aber von B III gehört. B III kannte alle und hatte ein kontinuierliches Gedächtnis. Jede behauptete, die echte Miss Beauchamp zu sein, es kam, bei oft zahlreichen Wechseln innerhalb 24 Stunden, dadurch zu widersprechenden Handlungen: z. B. wurden Dinge, die eine Persönlichkeit angefertigt hatte, durch eine andere zerstört. B IV war leichtfertig und ehrgeizig, sie konnte sprechen, aber z. B. nicht Geige spielen (Miss Beauchamp spielte Geige und konnte auch Noten lesen). Sie versuchte eine Gedächtnislücke von 6 Jahren zu verbergen. B III war boshaft, bizarr, stark, vom Charakter eines Tricksters. Sie wusste alles, was Miss Beauchamp dachte, verfügte aber ebenfalls nicht über bestimmte Kenntnisse, die Miss Beauchamp besass (Fremdsprachen, Stenographie) und koexistierte mit den alternierenden anderen Persönlichkeiten. Zeitweilig kontrollierte sie die Motorik und die Augen (sie konnte z. B. Halluzinationen hervorrufen). Sie hasste Miss Beauchamp, trieb mit ihr Schabernack, fügte ihr Schaden zu. Sie, die Kräftige, liebte Anstrengungen, die Miss Beauchamp überforderten, sie praktizierte ihr Spinnen in den Weg und genoss Miss Beauchamp Erschrecken. Für Prince verfasste sie ihre Biographie, die unter anderem auch die Gedanken enthielt, die sie dachte, während Miss B. das Gehen erlernte. Sally war das Unterbewusstsein, das seit 1897 sein eigenes Leben führte; B I und B IV waren veränderte Weiterentwicklungen des ursprünglichen, später dissoziierten Ich. Der Fall Beauchamp ist unter anderem auch für die Phänomenologie der Besessenheit von Belang: Besessenheit braucht als Bezugsrahmen ein Glaubenssystem. Wo der Glaube an die Möglichkeit der Besessenheit fehlt, kann sich ein Fall wie der vorliegende entwickeln. Fälle von Persönlichkeitsspaltung sind selten, ihre grundsätzliche Gegebenheit aber wird in der Literatur nicht bestritten. |
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