| Bacon, Francis |
| Englischer Politiker und Philosoph, gilt als Begründer des modernen Empirismus. In seiner monumentalen Instauratio magna - Die grosse Erneuerung - (gemeint ist: der Wissenschaften), von der er nur Teile vollendete (erschienen 1620-58), beschäftigt er sich mehrfach mit Gegenständen, die die parapsychologische Forschung berühren: Er entwirft eine Angewandte Metaphysik, die natürliche Magie, und zwischen Physiologie und Psychologie stellt er eine Disziplin, die Gedanken der Physiognomik antizipiert. Von einer vorgesehenen Abhandlung über die Sympathie und Antipathie zwischen den Dingen existiert nur ein Entwurf. Zum dritten, nicht fertiggestellten Teil der Instauratio gehört das 1626 veröffentlichte Werk Sylva sylvarum, or A Natural History in Ten Centuries (Stoffsammlung der Stoffsammlungen oder Eine Naturgeschichte in zehn Hundertschaften), eine Sammlung der verschiedenartigsten Daten, der älteren Literatur entnommen und in 10 mal 100 Paragraphen ohne zwingendes Ordnungsprinzip aneinandergereiht. In einigen Punkten werden hier Fragen der ASW- und PK-Forschung vorweggenommen: Bacon entwirft dabei mögliche Versuchsanordnungen, um das Phänomen der Imagination, für ihn ein allgemeiner Ausdruck, dem Psi vergleichbar, zu erforschen. Er unterscheidet 3 Wirkweisen:
1. auf den Körper des Erlebnisträgers, einschliesslich der möglichen Wirkung der Schwangeren auf den Fötus 2. auf unbelebte Gegenstände 3. auf die Psyche von Menschen und anderen Lebewesen (= ASW). Als nicht zu eliminierenden Faktor in der Versuchsanlage sieht er mögliche Einflüsse böser Geister. Trotzdem erscheinen ihm Experimente erfolgversprechend, die, durch das Mittel der Imagination, eine Veränderung menschlicher Affekte zum Gegenstand haben. Er regt aber auch Versuche mit Pflanzen an (mentale negative Wachstumsbeeinflussung) und nimmt in seiner Anregung moderne quantitative Versuche vorweg: Was unbelebte Dinge anbelangt, so sind sicher die Bewegungen des Mischens von Karten oder Werfens von Würfeln ... Aber auch für den qualitativen Experimentalbereich finden sich Vorwegnahmen, so, wenn Bacon vorschlägt, nah miteinander verwandte Versuchspersonen zu wählen. Die bekannten Berichte, dass eine Leiche beim Hinzutreten des Mörders zu bluten beginne, will er der zu untersuchenden Kraft zurechnen. Besonderes Interesse verdient seine Vermutung, dass die Imagination bei mehreren Sendern sich addieren könnte: Er verweist dabei auf Berichte, dass der Ausgang von Schlachten über weite Entfernungen unerklärlich schnell bekannt geworden sei. Die Spannung der vielen Zuhausegebliebenen und Freud oder Leid der zahlreichen Angehörigen von Siegern und Besiegten mögen sich da zur Übermittlung der Botschaft vereinigt haben. Definitives wagt Bacon jedoch nicht zu sagen: Die Berichte über die Kraft der Imagination und die geheimen Vorgänge der Natur sind so ungewiss, dass sie ein grosses Mass von Prüfung erfordern, bevor wir Schlüsse aus ihnen ziehen können. |
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