| Atem |
| Die Luft, die durch die Lungen eingesogen und ausgestossen wird. Der Begriff entwickelte sich in manchen religiösen Systemen sowie in der indischen Philosophie zum Bild der Lebenskraft und der Seele. Einige Richtungen der westlichen Psychotherapie schreiben der Atemgymnastik stützende Funktion bei der Behandlung zu. In östlichen meditativen Systemen nehmen Atemübungen breiteren Raum ein: Die bewusste Beobachtung des Ein- und Ausatmens, anapanasati, dient im Buddhismus der Steigerung der erlösenden Bewusstheit. Die Beruhigung der inneren Welt, cittaprasadana, will die bewusste Atembeobachtung. Oft findet sich in den Texten: Da setzt sich, ihr Mönche, ein Mönch, nachdem er sich in einen Wald, an den Fuss eines Baumes oder an eine einsame Stätte begeben hat, mit gekreuzten Beinen nieder, den Körper aufgerichtet und erweckt das (rechte) Gedenken (sati). Besonnen atmet er ein, besonnen atmet er aus. Atmet er lang ein, so ist er sich wohl bewusst: Ich atme lang ein. Oder atmet er lang aus, so ist er sich wohl bewusst: Ich atme lang aus. Oder atmet er kurz ein, so ist er sich wohl bewusst: Ich atme kurz ein. Oder atmet er kurz aus, so ist er sich wohl bewusst: Ich atme kurz aus. Jeden Atemzug voll empfindend will ich einatmen, so übt er sich. (Diesen) Körper-Prozess beruhigend, will ich ausatmen, so übt er sich. Im Yoga besteht die Atemzügelung darin, zwischen Ein- und Ausatmen eine Pause (kumbhaka, Stauen) einzuschalten. Auch diese Übung hat im Hatha-Yoga eine Hypertrophie erlitten ... Besonders wurde das Atemanhalten teilweise ins Masslose gesteigert: Der Yogi sollte minuten- und stundenlang den Atem anhalten können, und gewisse Yogi wie Haridas (ein Yogi des 19. Jahrhunderts; Braid 1850) sollen es sogar so weit gebracht haben, dass das Atmen überhaupt aufhörte und sie sich wochenlang begraben lassen konnten. Für das Ziel des echten Yoga sind diese Dinge sinnlos. Betrachten wir sie im Lichte der Physiologie und Psychologie, so müssen sie gedeutet werden als Versuche, abnorme Seelenzustände wie Trance usw. herbeizuführen. Diese Gefahr hat den Yoga zu allen Zeiten und auf allen Stufen begleitet und hat ihn bei den ernstlich nach echter Innenschau und innerer Befreiung Strebenden in Mißkredit gebracht. Hier wird deutlich, dass die Phänomene, für die sich die Parapsychologie interessiert, aus der Sicht des Yoga lediglich periphere und hypertrophe Erscheinungen sind, die mit dem Wesen des Yoga wenig zu tun haben. Veränderungen im Atemrhythmus signalisieren die beginnende Trance. Schon Swedenborg beobachtete, dass seinen Erfahrungen Atemveränderungen vorausgingen. Sowohl im Osten als auch im Westen wird behauptet, die Levitation beginne mit Atmungsänderungen. Hier sei auf ein Hebe-Spiel verwiesen, das in seinem mechanisch-physiologischen Ablauf noch nicht recht geklärt ist: 4 Personen heben eine fünfte, die auf einem Stuhl sitzt, in die Höhe, indem sie ihre Finger unter die Arme und Knie des Sitzenden legen. Gleichzeitig bewegen sie sich mehrmals vor und zurück und atmen (auch der Sitzende) im Takt ein und aus. Beim fünftenmal halten alle den Atem an, und nun lässt sich die sitzende Person leicht mit den Fingern anheben. Es scheint, als habe sie stark an Gewicht verloren. |
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