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Parapsychologie
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Aussersinnliche Wahrnehmung (ASW)

Entspricht dem englischen Extra-Sensory Perception (ESP).

Eine nicht durch die Sinne vermittelte Wahrnehmung ist ein Widerspruch in sich selbst, denn Wahrnehmung ist als sinnlich vermittelt definiert.

Tischner schlug deshalb vor, korrekter von Aussersinnlicher Erfahrung (ASE) zu sprechen.

Der Vorschlag setzte sich aber nicht durch, und ASW bürgerte sich, eingeführt von Pagenstecher, als Fachausdruck der Parapsychologie ein.

Unter ASW wird eine Erfahrung, die auf irgend etwas ausserhalb des Erlebnisträgers bezogen ist, ohne Beteiligung der Sinnesorgane verstanden.

Vorsichtiger ist die Formulierung:

der uns bekannten Sinnesorgane und ohne Vermittlung in der üblichen Weise. Bender bietet die neutralere Bestimmung:

... Antwort auf einen äusseren Vorgang, der durch kein bekanntes Sinnesorgan repräsentiert wird.

Zu ergänzen ist, dass hier Fremdseelisches, Innenereignisse einer anderen Person ohne identifizierbare objektive Repräsentanz, als äusserer Vorgang aufgefasst werden.

Einzuflechten ist, dass nach Auffassung der Jungschen Tiefenpsychologie auch die normalen Wahrnehmungen nicht aus den realen äusseren Gegebenheiten folgen, sondern die bewusste Übereinstimmung zwischen Objekt und Bild in der Wahrnehmung ist eine den Archetypen zugeschriebene  Innenleistung.

 

ASW kann spontan oder provoziert (Experiment, Orakel) auftreten.

Im Normalbewusstsein wie in anderen Bewusstseinszuständen, z. B. Schlaf (Wahrtraum), Trance, Dämmerzustände, oder auch unbewusst bleiben.

Im letzteren Fall muss sie aus dem Verhalten geschlossen oder durch physiologische Daten nahegelegt werden.

Man denke etwa auch an ein unerklärliches Weinen, dem, wie sich nachträglich herausstellt, ein trauriges Ereignis korrespondiert).

 

Der Form nach sind zu unterscheiden:

spontane Kenntnis eines Sachverhalts, ein sehr unbestimmtes Ahnen (emotionale Veränderungen) oder ein Pseudosinneseindruck (Halluzination, Traumbild).

 

Im dritten Fall ist weiter zu unterscheiden zwischen einer realistischen Darstellung und einer symbolisch verschlüsselten.

 

Über die Art, wie ASW zustandekommt, besitzt die Parapsychologie noch kein positives Wissen

Hypothetisch wird als Ursache eine Grundfunktion Psi angenommen, deren Modalitäten ASW und PK sein sollen.

 

Die ASW selbst wird heuristisch in die Modalitäten Hellsehen, Telepathie und Präkognition gegliedert, ohne dass sicher ist, ob diese 3 Phänomene nicht aufeinander rückführbar sind. Beispielsweise kann eine Hellseherfahrung immer auch als telepathisch vermittelt gedacht werden, nur psychologische Wahrscheinlichkeiten sprechen für Hellsehen oder Telepathie.

 

Man hat versucht, nach dem Objekt der Erfahrung zu differenzieren und erhielt für die Telepathie ein psychisches, für das Hellsehen ein physisches, für die Präkognition ein künftiges Objekt.

Aber diese Gliederung ist in ihrem Wert durch das Konzept einer präkognitiven Telepathie gemindert.

Will man eine Differenzierung in der ASW vermeiden, so spricht man von Allgemeiner Aussersinnlicher Wahrnehmung (AASW), die Eindeutschung von General Extra-Sensory Perception (GESP).

 

Das Auftreten der ASW wird begünstigt durch ein affektives Engagement der Beteiligten.

Manche Menschen, Sensitive, scheinen für ASW-Erfahrungen besonders prädestiniert zu sein.

Dabei zeigt sich eine gewisse selektive Affinität, d. h., die Sensitiven sind individuell unterschiedlich empfänglich für verschiedene Thematiken.

Sie sind dabei keine blossen Rezeptoren, sondern zum kognitiven Aspekt tritt ein kreativer.

Vielleicht besteht die Grundkraft des Menschen, der es auch das Erkennen einzuordnen gilt, in der Kreativität?

Die Parapsychologie hält die Existenz der ASW in den genannten 3 Formen für erwiesen, ohne entschieden zu haben, ob diese Dreigliederung endgültig ist, und ohne eine beweisbare Erklärung für das Zustandekommen der ASW zu haben.

Wissenschaftler anderer Disziplinen sind teilweise abweichender Meinung, wobei einige die ASW völlig leugnen, hingegen andere nur diese oder jene Form für nicht bewiesen erachten (die wissenschaftstheoretischen Probleme, die die ASW aufwirft, sind z. B. für Hellsehen und Präkognition verschieden.

In der Zeitschrift American Psychologist schrieb der Physiker M. A. Rothman:

Sollte es tatsächlich eine aussersinnliche Wahrnehmung geben, dann wäre dies die wichtigste Entdeckung der modernen Physik, weil man, um sie zu erklären, eine neue Kraft annehmen müsste, eine Kraft, die den Physikern zur Zeit nicht bekannt ist.

Die einzige Alternative wäre, die Kausalität zu verneinen, was zu einer noch grösseren Revolution in der Wissenschaft führen würde.

 

 

 

 

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