| Astrologie, Sterndeutung |
| Die Beschäftigung mit wissenschaftlich nicht anerkannten astrophysischen und astropsychischen Einflüssen auf irdisches Leben. Dabei wird zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Beziehung zwischen Gestirnskonstellation und irdischem Ereignis angenommen, bei der dieses Geschehen als unabhängig betrachtet wird. Man kann unterscheiden:
1. eine praktische Astrologie, die allgemeine charakterologische Aussagen (Horoskop) über bestimmte Zielpersonen macht. Dabei werden die Geburtsstunde und der Geburtsort, als dem Astralen korrespondierend, zum schicksalsetzenden Moment. (Gelegentlich treten an ihre Stelle Zeugungsort und -stunde.) 2. Eine prognostische Astrologie, die ebenfalls auf der Grundlage der Geburtsstunde und des Geburtsortes Aussagen über das zukünftige Schicksal eines Menschen macht. 3. eine Astrologie des günstigen Augenblicks: Dabei wird der günstigste Zeitpunkt für ein bestimmtes Vorhaben festgelegt, gleichsam die Geburtsstunde der aus ihm resultierenden Ereignisse. (Manche Astrologen glauben, auch für die Zukunft von Unternehmen, Staaten, Gruppen, Ehen usw. astrologisch fundierte Aussagen aufgrund von Datum und Ort der Gründung machen zu können.) Der Glaube an eine Beziehung zwischen Astralem und Irdischem ist kulturgeschichtlich alt und weltweit verbreitet. Zu einem wissenschaftlich oder vorwissenschaftlich (philosophisch-religiösen) System ausgebildet wurde er in den Hochkulturen - möglicherweise unabhängig voneinander an mehreren Orten, z. B. in Mesopotamien und Südostasien. Die Astrologie des präkolumbischen Amerika ist wesentlich kosmologisch-religiös motivierte Kalenderwissenschaft. Aus dem Vorderen Orient, wo Astrologie bereits vor 1 vor Christus gepflegt wurde - das älteste überlieferte Horoskop stammt aus dem Jahr 409 vor Christus -, gelangte die Astrologie nach Europa und Afrika. Ein alter und zentraler Gedanke der Astrologie war die Vorstellung einer Sympathie des Alls: Das Untere ist wie das Obere und das Obere wie das Untere, heisst es in der Smaragdenen Tafel (Tabula Smaragdina), einem frühmittelalterlichen, aber auf ältere Quellen zurückgehenden alchimistischen Text. Jüngeren Datums ist die Vorstellung personifizierter Gestirne, der Gedanke, Planetengötter beeinflussten aufgrund ihres mythischen Charakters das Schicksal der Menschen, die unter ihrem Zeichen geboren werden. Daraus folgt die mögliche Konsequenz des astrologischen Determinismus, dem man mit Fatalismus begegnete. Häufiger als Fatalismus aber war der Einwand: Astra inclinant sed non necessitant (Die Gestirne machen geneigt, aber sie zwingen nicht). Zum Menschenbild der antiken Astrologie gehört auch, besonders in der Orphik, der Gedanke vom Ab- und Aufstieg der Seele: Die Seele des Menschen existiert danach bereits vor ihrem irdischen Leben (Präexistenz) in astralen Höhen. Bei der Geburt, d. h. während der Niederfahrt |
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