| Asitie, d.h. Nahrungslosigkeit |
| Auch okkultes Fasten, Inedia, ein aus verschiedenen Kulturen berichtetes Phänomen: z. B. sollen Yogis Zeitspannen ohne Nahrungsaufnahme leben, die medizinisch ausgeschlossen erscheinen. Stelter teilt mit, Agpaoa faste jedes Jahr mindestens 16 Tage (einmal sogar 45). Während der Zeit nehme er nur etwas Wasser und Honig zu sich. Im Abendland sind es vor allem Frauen (meist zwischen 12 und 30 Jahren, oft nach vorhergehenden hysterischen Erscheinungen), von denen Asitie behauptet wird. Roger Bacon verweist auf die Frau von Norwich, die 20 Jahre lang ohne Speise gelebt haben soll. Görres berichtet gleich von mehreren Fällen: Rosa von Lima (1586-1617; die Schutzheilige Amerikas), die während einer ihrer Fastenperioden angeblich 50 Tage ohne Flüssigkeitszufuhr blieb. Katharina von Siena (1347-1380), die in ihren letzten Lebensjahren nur vom Abendmahl gelebt haben soll. Nikolaus von der Flüe (genannt Bruder Klaus, 1417-1487), auch er blieb in seiner Eremitage angeblich 20 Jahre ohne Speise, sowie den Fall einer Nonne aus Leicester. Bei dieser Nonne, die schon 7 Jahre ohne Nahrung gewesen sein soll, liess Bischof Hugo von Lincoln 1225 Beobachtungen vornehmen, die ihn von der Echtheit des Phänomens überzeugten. Auch bei Bruder Klaus scheinen überzeugende Kontrollen vorgenommen worden zu sein. Weitere Fälle sind die der Lidwina von Schiedam (1380 bis 1433; 19 Jahre Asitie) und des Josef von Copertino, der beinah immerwährend fastete, weil er in Nachfolge seines Ordensstifters des heiligen Franziskus 7 verschiedene 40tägige Fasten im Jahr hielt, während deren er, die Sonntage und Donnerstage ausgenommen, fast nichts genoss. Auch bei den Convulsionären soll Asitie aufgetreten sein, so z.B. bei Fontaine, dem Sekretär Ludwigs XV. Vor allem aber bei Stigmatisierten wird die Asitie behauptet: bei der Emmerich (länger als 10 Jahre; einmal 10 Tage lang ständige Kontrolle) und bei der Lateau. Für die Stigmatisierte Neumann wird neuerdings Asitie bestritten: Eine strenge Kontrolle fand, trotz Aufforderung durch die römische Kurie, nie statt. Dagegen wurde die Furtner, geboren 1823, nachdem sie angeblich 11 Jahre ohne Nahrung gelebt hatte, sorgfältig überwacht: 5 Wochen in einem versiegelten Krankenzimmer einer Münchner Klinik Über die Lateau äusserte der gutachtende Arzt Warlomont: Louise Lateau verbraucht Wärme, sie verliert jeden Freitag eine Quantität Blut (infolge der Stigmata). Die Gase, welche sie ausatmet, enthalten Wasserdampf und Kohlensäure. Ihr Gewicht hat sich nicht bemerkbar geändert, seit sie sich in Beobachtung befindet - also verbrennt sie Carbon und entnimmt es nicht ihrem Körper. Woher nimmt sie es? Die Physiologie antwortet: sie isst. Die Enthaltung der Louise Lateau von Essen und Trinken widerspricht den Gesetzen der Physiologie, also braucht nicht bewiesen zu werden, dass dieselbe Täuschung ist. Da es fest steht, dass sie mit diesen Gesetzen sich nicht verträgt, so liegt der Beweis denen ob, die zu diesen Gesetzen stehen. Tatsächlich wies Richet nach, dass neben der normalen auch eine aussergewöhnliche Nahrungsphysiologie existiert: Eine seiner Patientinnen verbrauchte z. B. in 16 Minuten 4 Liter Luft, ein normaler Mensch benötigt 128 Liter. Eine Berufstätige, die er 28 Tage lang beobachtete, während denen sie nur etwas Milch, Bier und Fleischbrühe zu sich nahm, erlitt einen Gewichtsverlust von 606 Gramm. Der durchschnittliche tägliche Kalorienverbrauch betrug 265 Kalorien. Allerdings handelt es sich in einem solchen Fall wie etwa bei Joseph von Copertino noch nicht um echte Asitie. Einige Autoren, etwa Walther Kröner, glauben, die Asitie mit Vampirismus in Verbindung bringen zu dürfen. Weitere hypothetische Möglichkeiten wären Nahrungsapport und direkte Assimilation oder aber Materialisation ätherischer Substanzen. C.G. Jung hielt im Fall des Bruder Klaus eine paranormale Ernährung für möglich. Er erinnert daran, dass bei parapsychologischen Versuchen Gewichtsabnahmen bis zu mehreren Kilogramm während der (physikalischen) Phänomene sowohl beim Medium wie bei gewissen Zirkelteilnehmern, die alle auf Waagen sassen, festgestellt wurden. Weiter verweist er darauf, dass man bei den Austrittstellen des Ektoplasmas eine erhöhte Ionisierung der Luft festgestellt haben will. Deshalb erwägt er, ob Menschen aus der Umgebung der Medien vielleicht als Ionenquelle dienen und ob die Ernährung dadurch stattfindet, dass z. B. lebende Eiweissmoleküle von einem Körper in den andern wandern. |
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