| Ahnung |
| Akt spontanen Hellsehens oder spontaner Telepathie, experimentell nicht darstellbar, gelegentlich als optisches oder akustisches Erlebnis auftretend, im Wach- oder Schlafzustand. Inhaltlich nicht sehr spezifisch, aber voll realistischer oder symbolischer Hinweise auf das tatsächliche Ereignis. Mit unterschiedlichem Bedeutungsbewusstsein verbunden. Man kann Ahnungen inhaltlich differenzieren nach der Art des Ereignisses (Todesahnung; Ahnungen, die sich auf freudige, auf traurige Ereignisse - letztere überwiegen - beziehen usw.), und man kann unterscheiden nach individuell-subjektiven und nach kollektiven Ahnungen, die wahrscheinlich eine materielle Objektivität besitzen. Bei kollektiven Ahnungen sind ausserdem zu unterscheiden: abhängige (Ahnung als Gruppenerfahrung) und unabhängige (ohne dass die Erlebnisträger voneinander wissen, beziehen sich ihre Ahnungen auf dasselbe Ereignis). Der Ahnung geht eine paranormale Information voraus, über deren Aussendung, Transport und Empfang wir in physikalischer Hinsicht nichts Positives wissen. Das mehr oder minder vage Bewusstwerden dieser Information ist die Ahnung. Diesem Bewusstwerden können somatische Erscheinungen vorausgehen (z. B. unerklärliches Weinen), es kann durch einen normalen objektiven Vorgang (z. B. ein Musikstück, das gerade gespielt wird) oder ein unter Umständen paranormal verursachtes objektives Ereignis (z. B. Stillstehen einer Uhr), ausgelöst, induziert, werden. Die Kasuistik der Ahnungen ist ausserordentlich gross, aber nur wenige Fälle sind gut dokumentiert. Denn mitgeteilt werden Ahnungen oft erst, wenn das Ereignis, auf das sie sich beziehen, auf normalem Wege bekannt wurde (wenn etwa nach einem Todesfall brieflich Nachricht eingeht), dann aber ist die Gefahr der Erinnerungstäuschung bei der Schilderung der Ahnung gross. Schwierig ist oft der Nachweis, dass Ahnung und Bezugsereignis zeitlich zusammenfallen. Richet teilt einen Fall mit, in dem die Koinzidenz gesichert scheint: Herr William wusste, dass sein Schwager Georges schwer krank und dem Tode nahe war. Eines Morgens sieht er neben seinem Bett Georges' Gestalt und sagt zu seiner Frau: Ich habe Georges gesehen, er ist bei Sonnenaufgang eine Minute lang dagewesen. In weiter Entfernung starb Georges in den Armen seines Vaters, der sagte: Die Sonne geht gerade in dem Augenblick auf, in dem unser lieber Sohn in das himmlische Vaterland eingeht. - Die zeitliche Übereinstimmung ist so scharf, dass die Tatsache, dass Georges' Ableben zu erwarten war, bei dieser Ahnung wenig ins Gewicht fällt. Es ist nicht möglich, die Ahnung scharf gegenüber anderen paranormalen Erlebnisformen abzugrenzen. Was die Ahnung charakterisiert, ist das nicht ganz Deutliche der Erfahrung. Zwar kann das Bild, oder was immer die Ahnung ausmacht, deutlich erscheinen, aber das Ereignis, auf das sie sich bezieht, bleibt verschwommen. Die Übergänge zur klareren Gewissheit (Hellsehen, Telepathie) sind fliessend. Manche Autoren verwenden den Begriff Ahnung auch für ein Vorausfühlen künftiger Ereignisse. Es erscheint aber sinnvoll, Ahnung auf Gegenwärtiges zu beschränken und sie so von der Vorahnung abzugrenzen. |
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