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Parapsychologie
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Agrippa von Nettesheim, Heinrich Cornelius (1486-1535)

Deutscher Arzt, Philosoph, Jurist und Theologe.

Agrippa führte ein abenteuerliches Leben: Studien und Kriegsdienst führten ihn durch ganz Europa.

In mehreren Ländern hielt er Vorlesungen über die verschiedensten Gegenstände, darunter auch über Reuchlins Kabbala.

Zeitweilig arbeitete er als Advokat, Arzt, Archivar und Historiograph.

Sowohl innere Unrast als auch Anfeindungen (Vorwurf der Ketzerei und Verdacht der Hexerei, weil er die Verteidigung in einem Hexenprozess übernommen hatte) und Schulden trieben ihn von einem Ort zum anderen.

Goethe entlieh einige Züge Agrippas für seinen Faust. Schon vorher hatte sich der Volksglaube seiner bemächtigt und Erzählungen um den Magier und seinen Familiar, einen schwarzen Hund, gesponnen.

Agrippas bedeutendstes Werk ist De occulta philosophia libri III sive de magia (Drei Bücher über die okkulte Philosophie oder Über die Magie), verfasst um 1510, umgearbeitet erschienen 1531. Es erlebte zahlreiche Neudrucke und Übersetzungen. Grosse Verbreitung fand seit 1916 immer wieder nachgedruckt eine deutsche Ausgabe Magische Werke. Sie enthält auch ein Agrippa zugeschriebenes Buch (dessen Autor nach Peuckert 1956 allerdings mit dem Autor des Dreifachen Höllenzwangs identisch ist), das inhaltlich in krassem Widerspruch zum Werk Agrippas steht.

Ein weiteres wichtiges Werk ist De incertitudine et vanitate scientiarum et artium et de excellentia verbi die (Über die Unsicherheit und Eitelkeit der Wissenschaften und Künste und über die Vortrefflichkeit des Wortes Gottes 1530).

Es beleuchtet skeptisch-witzig die Wissenschaft der Scholastik. Ein Kompendium der Kritik der Philososophie, Astrologie und Alchimie und ein Aufruf zur einfachen Frömmigkeit.

Agrippa kannte nichts Schöneres als die Provokation theologischen und akademischen Zorns.

In De occulta philosophia erweist sich Agrippa als bedeutender Humanist, als grosser Kompilator und origineller Interpret des Neuplatonismus.

Gefördert von Trithemius versucht Agrippa, die Magie als Naturwissenschaft zu erweisen. Christentum und Magie sollen sich auf neuplatonischem Boden wieder begegnen.

Gott entwarf nach seinem Bilde - nach den Archetypen, wie Agrippa schon sagt, seines Geistes das All. Es umschliesst die 3 Welten der Elemente, Gestirne und Engel (Geister).

Diese Welten sind hierarchisch geordnet, die niedere bildet jeweils die höhere ab, alle durchdringt und belebt die Quinta essentia (Weltseele, Spiritus mundi).

Die Sefirot-Lehre fand ebenfalls Eingang in dieses Weltbild: Die Namen Gottes sind Ausstrahlungen seiner Macht.

Der Mensch hat teil an allen 3 Welten.

Um in den Besitz der Kräfte der höheren Welt zu gelangen, bedarf er der Magie (die wir rückblickend definieren als ein in die Praxis umgesetztes Weltbild, das den Kosmos nach Entsprechungen ordnet).

Für die Welt der Elemente braucht er die natürliche Magie. Für die der Gestirne die himmlische und für die Geisterwelt die religiöse.

Das Durchschreiten der 3 Magien ist ein Stufenweg der Wissenschaften von Physik über Mathematik zur Theologie und damit zu Gott, und, sagt Agrippa:

Nicht die Unterwelt noch die Sterne bewirken es, allein der Geist in uns!

Deshalb spricht er aus Glaube und nicht aus Ketzerei: Agrippa ist ein Philosoph, ein Dämon, Heros, Gott und alles.

 

Agrippa ist der erste Systematiker abendländischer Magie, auch der Begriff Okkultismus geht auf ihn zurück, zugleich nimmt er Konzepte der Parapsychologie vorweg.

Von sich selbst und auch von Trithemius behauptet Agrippa telepathische Erlebnisse, und er versichert, dass Menschen, deren Imagination und denkende Kraft sehr stark sei, solche Kraft erlangen können, dass sie sich der Seele anderer mitteilen und sie über ihre Gedanken und Wünsche unterrichten können, auch auf grosse Entfernungen.

Und, zu den Spukphänomenen überleitend:

Der Körper ist der Bewirkung durch eine fremde Seele nicht minder unterworfen als der durch einen fremden Körper.

 


 

 

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