| Abmelden, Künden und Anmelden |
| Zeitgleiche paranormale Manifestation in Verbindung mit dem Ableben eines Menschen bei räumlicher Trennung des paranormalen Ereignisses vom Ort des Todesfalls. Der Form nach kann reine ASW (z. B. Wahrtraum, Halluzination), PK (z. B. Stehenbleiben einer Uhr, Zerspringen eines Spiegels) oder eine Kombination beider Modalitäten unterschieden werden. Ist beim Erlebnisträger Bedeutungsbewusstsein gegeben, so muss Telepathie angenommen werden. Erschliesst sich der Zusammenhang erst hinterher, nachdem man z. B. brieflich vom Todesfall erfahren hat, so lässt sich vermuten, dass der Sterbende - wie es das Wort Abmelden suggeriert - allein die Manifestation verursachte. Denkbar wäre auch, dass dem Ereignis die unbewusste Information vom Sterben vorausgeht (ob man dabei nach Agent und Perzipient fragen darf, bleibe dahingestellt) und das Unbewusste verständlich (d. h. mit oder ohne Bedeutungsbewusstsein des Erlebnisträgers) die Information paranormal artikuliert. Dabei wird gelegentlich mit Symbolisierungen operiert: individuellen, den konkreten Erfahrungen der Beteiligten entstammenden, und überindividuellen, die sofort einleuchten (Stehenbleiben der Uhr) oder tiefenpsychologischer Deutung bedürfen. Auch alte religiöse Vorstellungen können hier wieder lebendig werden: In manchen Gegenden versteht man einen dreimaligen Käuzchenruf als Abmelden, galten Vögel früher doch als Seelentiere. E. R. Dodds weiss aus der Antike 4 nicht sonderlich glaubhafte Fälle zu berichten, bei denen das Bild des Erscheinenden für ihn physische Gefahr oder den Tod bedeutete. Am bekanntesten davon ist wohl die angebliche Vision des Apollonius vom Tod des Domitian. Staudenmaier berichtet den Fall der alten Lisbeth. Sie war jahrzehntelang bei einem Richter Hausgehilfin gewesen, hatte sich etwas erspart und wollte, nunmehr über 70, ihren Lebensabend bei einer Nichte verbringen. Der ehemalige Arbeitgeber gab ihr noch etwas Geld, schrieb ihr regelmässig zu Weihnachten und zum Geburtstag, verbunden mit weiteren Zuwendungen, hörte aber jahrelang nichts von seiner früheren Angestellten. Eines Nachts erwachte er: Ein unbestimmter Schrecken hatte mich erfasst. Ich setzte mich im Bette auf. Eine rätselhafte Gewalt zwang mich, meine Augen nach dem freien Raum im Zimmer zu richten. Ich fühlte mich in einem Zustande reger Tätigkeit aller Geisteskräfte und doch wieder gebannt in eine Lähmung und Erstarrung und ein Gezwungensein unter eine fremde Kraft, einen fremden Willen. Ich erblickte dann in einer Entfernung von etwa zwanzig Schritten einen Fluss dahinströmen und wusste, dass es die Lahn sei ... Im Wasser sah er die Gestalt der alten Lisbeth. Sie starrte mich mit irren, Verzweiflung blickenden Augen vorwurfsvoll an ... Sie und ich sprachen nicht. Wir lasen gegenseitig unsere Gedanken. Es war aber nicht ein blosses Lesen, sondern ich empfand auch einen fast körperlichen Eindruck auf mein Gehör ... „ Lisbeth macht ihm Vorwürfe, er rechtfertigt sich: Es stellt sich heraus, dass die Verwandten ihre Post unterschlugen, Lisbeth das Ersparte wegnahmen, sie im Stall schlafen liessen und drangsalierten. Als letzter Ausweg blieb ihr nur der Freitod. Das Ereignis liess sich verifizieren. In der älteren Literatur wurde sehr viel Gewicht auf die Frage der Gleichzeitigkeit gelegt: Fand das Ereignis etwas später als der Tod statt, so sahen manche darin ein Indiz für die spiritistische Hypothese. Diese Überlegungen wurden dadurch hinfällig, dass man heute die Vorstellung akzeptiert, die unbewusste Information könne sehr wohl gleichzeitig sein, aus irgendwelchen Gründen aber verspätet aufsteigen. |
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