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„Es war sein Lust und gab
ihm Mut, wenn er sah fliessen Menschen Blut.“ Diese Zeilen dichtete Michel
Beheim (1416- nach 1474) auf seinen Zeitgenossen Vlad Tepes, der auch
Dracula - Sohn des Drachen - genannt wurde. Obgleich dieser Dracula sich
weder nachts aus seinem Grabe erhob noch mit Vorliebe attraktiven jungen
Frauen in den Hals biss, hatte Bram Stoker nicht schlecht gewählt, als er
den grausamen Karpatenfürsten zum Vorbild seines berühmten Vampirgrafen
erhob.
Doch zu dessen Biographie: 1431 wird Vlad Tepes in der Festungsstadt
Schässburg (Sigisoara) in einem Gasthof geboren. Eine Notunterkunft, denn
sein Vater Vlad II. befand sich zu diesem Zeitpunkt gerade mit seiner
Familie im Exil. 1456 wird Dracula zu Vlad III. gekürt und als dieser
„Selbstherrscher, grosser Vojevode und souveräner Herrscher und Herr aller
Länder der ungarischen Walachei und der Gebiete jenseits der Gebirge.“
Den zahlreichen Überlieferungen nach war Vlad III. ein Meister vornehmlich
dreier Künste: der diplomatischen, mit der er jahrelang zwischen dem König
von Ungarn und dem osmanischen Sultan um seine Unabhängigkeit lavierte, der
militärischen, mit der er seine Hirten- und Bauernhaufen gegen die Länder
jenseits der Donau führte, und der der grausamen Menschenpfählung. Dieser
letzten Kunst verdankte er seinen weiteren Beinamen: Tepes - der Pfähler.
Trotz seines diplomatischen Geschickes wurde Dracula 1462 auf Befehl des
ungarischen Königs Matthias Corvinus auf die Hochburg Visegrad nach Ungarn
gebracht. Dort führte er aller Wahrscheinlichkeit nach ein Dasein als Fürst
unter Hausarrest. 1476 liess König Corvinus seinen Gefangenen wieder frei
und Fürst Vlad III. erhielt erneut Amt und Würden als Herrscher über die
Walachei. Doch seine wiedergewonnene Macht währte nicht lange - ein Jahr
später wurde er getötet.
Zweifelsohne ist es in erster Linie die unbarmherzige, beim kleinsten Anlass
hervorbrechende Grausamkeit gewesen, die Vlad Tepes einen „Ruhmesplatz“ in
der Geschichte sicherte. Denn wer immer ihm widersprach, ihm auffiel, sich
von ihm beim kleinsten Vergehen ertappen liess, dem drohte, wie auch allen
seinen Kriegsgefangenen, der Tod. Gesandten liess er die Hüte, die sie vor
ihm zu ziehen versäumten, auf die Köpfe nageln. Bettler und andere „unnütze
Fresser“ wurden auf seinen Befehl hin verbrannt. Streng ging Vlad Tepes auch
gegen die vor, die seine sexuelle Puritanermoral missachteten. Frauen, die
ihre Geschlechtslust ausserehelich auslebten, wurden ebenso dem Tode
anheimgegeben wie „unkeusche“ Witwen oder Mädchen, die ihre Jungfrauenschaft
nicht bewahrten. Meist wurden zuvor ihre Sexualorgane verstümmelt, wie
Dracula neben seiner Leidenschaft, dem Pfählen, überhaupt eine Lust daran
hatte, Menschen zu verstümmeln, zu zerhacken, zu häuten, zu rädern, zu
blenden oder wilden Tieren vorzuwerfen. Zigeuner, die gestohlen hatten,
wurden sofort zum schimpflichen Tod am Galgen verurteilt. Als einige
Stammesbrüder einmal um Milde gegenüber den Verurteilten baten und sich
dabei auf eine vom deutschrömischen Kaiser Sigismund ausgestellte Urkunde
berufen konnten, die das Henken von Zigeunern verbot, erregten sie gerade
dadurch den Zorn ihres Herrschers. Der durch diesen Hinweis in seinem
Souveränitätsstolz gekränkte Vlad III. liess daraufhin die Missetäter braten
und sieden und zwang die übrigen Zigeuner, sie anschliessend zu verspeisen.
Dracula selbst liebte es, seine Mahlzeiten zwischen den von ihm gepfählten
Feinden und Missetätern einzunehmen. Die von ihm zum Pfahltod Verurteilten
wurden lebendigen Leibes mit dem Anus auf die zugespitzten Pfähle gesetzt.
Der Tod war so ein äusserst qualvoller und trat erst nach Stunden, manchmal
erst nach Tagen ein, wenn sich der Pfahl durch das Eigengewicht des
Verurteilten weit genug in dessen Leib eingerammt hatte. Einer, der sich
über den Leichengeruch der vielen Gepfählten beklagte, wurde am höchsten
Pfahl aufgespiesst: weil dort oben die Luft besser sei. Als Mehmed der
Eroberer 1462 den kühnen Feldherrn Vlad zurückschlug, soll er mit seinem
Heer bei der walachischen Hauptstadt Tirgovisre eine halbe Stunde lang an
20000 gepfählten Türken und Bulgaren vorbeimarschiert sein. Die Leichen
waren bereits seit Monaten aufgespiesst und der Verwesung und den Vögeln
ausgesetzt. Der Horrorwald erfüllte selbst den hartgesottensten Betrachter
mit Grauen und führte zum Rückzug der entsetzten Türken. Ein
zeitgenössischer Chronist berichtet: „Sogar der Sultan war überwältigt und
musste eingestehen, dass er das Land eines Mannes, der zu solchen Massnahmen
greift und seine Herrschaft in dieser Weise auszunutzen weiss, nicht erobern
kann, Ein Mann, der solche Taten begeht, ist noch viel schrecklicherer Dinge
fähig.“
1477 konnten sich die Türken an Vlad Tepes rächen. Vermutlich durch die Hand
eines Meuchelmörders fand er in einer Schlacht den Tod. Türkische Soldaten
trennten daraufhin seinen Kopf von seinem Rumpf ab und schickten ihn nach
Konstantinopel zu seinem Gegner Mehmed II. als Beweis dafür, dass der
gefürchtete Pfähler tatsächlich tot war. Nachdem Mehmed ihn begutachtet
hatte, wurde er öffentlich zur Schau gestellt. |