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Im griechischen Mythos
die sechs Söhne und Töchter des Uranus und der Gaia.
Unter Führung des Jüngsten von ihnen, Kronos, stürzen die Titanen ihren
eigenen Vater, Uranus, und befreien ihre Brüder, die Zyklopen und die
Hekatoncheiren (die Hundertarmigen), aus dem finsteren Abgrund des Tartaros.
Kaum zur Macht gelangt, schleudert Kronos seine Brüder wieder den Tartaros
hinab. Später, nach dem Sturze des Kronos durch Zeus, kommt es zu der
berühmten Titanomachie, den Kampf der Titanen unter der Führung von Kronos
gegen die Kroniden, mit Zeus an der Spitze. Dabei wird Zeus von den Zyklopen
und Hekatoncheiren unterstützt.
Ähnlich wie bei den Giganten verstand man schon im Altertum unter den
Titanen und dem titanischen Wesen den Kampf gegen Unterdrückung und
Unterordnung, aber auch etwas Massloses, das an seiner eigenen Riesigkeit
zugrundegehen kann. Wohl nicht ganz zufällig erlebten die Titanen
ausgerechnet während des europäischen Imperialismus, wo beinahe alles und
jedes ins Masslose übersteigert wurde, eine Wiedergeburt. So nannte z.B. der
bedeutende Sinfoniker Gustav Mahler (1860-1911) die erste seiner gewaltigen
Mammutsinfonien Der Titan (1888). In der Kunst dieser Zeit, besonders in der
Monumentalmalerei, waren Titanen ein beliebtes Motiv. Und natürlich wurde
auch das seinerzeit grösste und luxuriöseste Schiff mit diesen Namen
ausgezeichnet: Die Titanic (1912). Zu dem allbekannten Schicksal dieses
Ozeanriesen gibt es übrigens ein ungewöhnliches Vorspiel. Bereits 14 Jahre
vor dem Untergang der Titanic lief in einer kalten Aprilnacht des Jahres
1898 die S.S. Titan zu ihrer Jungfernfahrt aus - auch sie das grösste,
luxuriöseste und angeblich sicherste Schiff der Welt. Ihr stolzer Bug
durchschnitt den Atlantik zwischen dem englischen Hafen Southampton und New
York - da geschah das Undenkbare: Der Ozeanriese lief auf einen Eisberg,
schlug leck und sank. Ein Grossteil der 2500 Passagiere ertrank, da das
Schift nicht genügend Rettungsboote besass. Aber trotz dieser Katastrophe:
die Öffentlichkeit nahm von diesem tragischen Geschehen „titanischen“
Ausmasses keinerlei Notiz, und dies aus einem einfachen Grund: Der
Schiffsuntergang des Jahres 1898 fand in einem Roman statt, von einem
unbekannten und eher unbedeutenden englischen Schriftsteller Namens Morgan
Robertson. Sein Buch The Wreck of the Titan (Der Untergang der Titan) schlug
denn auch zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung keine grossen Wellen. Erst
im Jahre 1912, als die reale Titanic einen Eisberg rammte, gelangte
Robertsons Roman zu sensationeller Berühmtheit und galt seitdem als eines
der erstaunlichsten Beispiele für Prophetie. |