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Viele Menschen,
insbesondere das weibliche Geschlecht, empfinden beim Anblick von Spinnen
ein starkes Ekelgefühl. Die Spinnenfurcht der Frauen mag möglicherweise auf
die Tiefenerinnerung einer sehr alten Vorstellung zurückgehen, wonach sie
selbst in Spinnen verwandelt werden können. Die krabbelnden Bewegungen der
oft haarigen Beine und des speckigen, plumpen Körpers rufen allerdings
ziemlich unwillkürlich einen phvsischen Schauder hervor. Zudem wirkt es
nicht sehr sympathisch, wie die Spinne in ihrem Netz sitzt und auf Opfer
wartet, die sie aussaugen und verschlingen kann. Ein weiterer Grund, die
Spinne zu fürchten, lag oder liegt darin, dass es auch giftige Arten gibt,
als bekanntestes Beispiel gilt hierfür sicherlich die „schwarze Witwe.“
Um die Spinne rankt sich ein interessanter Mythenkomplex. Im Altertum
glaubte man, die Spinne sei aus dem Blut eines Ungeheuers, etwa der Titanen,
des Typhon oder der Gorgonen hervorgegangen, und sie erfuhr eine durchwegs
negative Wertung. Erst im Christentum wurde sie etwas besser angesehen,
wobei sich dieser Prestigegewinn weitgehend auf die Kreuzspinne beschränkt,
die wegen des Kreuzzeichenss auf ihrem Rücken in Tirol Muttergottestierchen
genannt wird und Glück bringen soll. Der Spruch „Spinnen am Abend,
erquickend und labend“ und „Spinnen am Morgen, bringt Kummer und Sorgen“ wrd
fälschlicherweise fast immer mit den Spinnentieren in Verbindung gebracht,
steht jedoch in Wirklichkeit für spinnen am Webstuhl. Wobei das Spinnen am
Abend zum Tagesausklang als angenehm empfunden wurde, während das notwendige
Spinnen am Morgen auf Arbeitsdruck und Geldsorgen hinwies.
Spinnen tauchen in der Horrorliteratur und in Filmen oft und gerne als ins
riesenhafte vergrösserte Monster auf. Wirklich grauenerregend erscheinen sie
jedoch, wenn man ihnen etwas von dem hypnotischen Zwang lässt, den sie
vermutlich auf ihre Opfer im Netz ausüben. Sehr subtil beschrieben ist die
geheime Macht einer Spinnenfrau in Hanns Heinz Ewers morbider Erzählung Die
Spinne (1908). Ein weiteres, bekannteres Beispiel zu einer bedrohlichen
Spinne ist Die schwarze Spinne (1842) von Jeremias Gotthelf. Hier gerät ein
ganzes Dorf in die teuflischen Fänge einer Spinne. Die wohl bekannteste
Leinwandspinne entspringt dem Horrorklassiker Tarantula (1955) von Jack
Arnold. Hier ist es ein verrückter Wissenschaftler, der einer Spinne
Nährstoffe injiziert, woraufhin sie riesengross wird und beginnt, Menschen
zu fressen. Die Spinne wird hier zu einem Symbol menschlicher Hybris, hinter
der die aggressiv-destruktiven Kräfte zum Vorschein kommen. |