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Ratten oder
rattenähnliche Nagetiere erregten von jeher leicht die Abscheu der Menschen.
Das mag damit zusammenhängen, dass sie Schädlinge sind, die sich nicht
selten an der Getreideernte vergingen und mit ihrer Vermehrungslust
Rattenplagen verursachen konnten.
Im Volksglauben ist in diesem Zusammenhang der Rattenfänger von Hameln
bekannt, der die unliebsamen Nager rnit seiner Flöte aus der Stadt lockte.
Eine wichtige Rolle für den Ekel, den Ratten im allgemeinen auslösen, mag
aber auch in dem unbewussten Wissen der Menschen gelegen haben, dass sie als
Überträger von Seuchen und Krankheiten den Tod bringen können. Man dachte,
Ratten würden aus Schlamm und Unrat entstehen, Elemente, in denen sie sich
besonders heimisch fühlen. Es hiess, sie seien giftig, was nicht abwegig
ist, wenn man bedenkt, dass die Ratte - mit der Übertragung des gefährlichen
Pestflohs - Mitverursacher des schwarzen Todes war, der allein im 14.
Jahrhundert etwa ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffte. Die
Ratte wurde als Seuchenüberträger in späteren Jahrhunderten auch gerne mit
dem Vampir in Verbindung gebracht, der ebenfalls als Überträger von Seuchen
gilt.
Ratten, Pest und Vampire hat insbesondere Werner Herzog in Nosferatu -
Phantom der Nacht (1979) ins Spiel gebracht. Auch Hexen und Kobolde sollen
eine besondere Beziehung zu Ratten haben. Bei manchen Völkern gibt es sogar
die Vorstellung, dass Ratten im Gehirn nisten und Störungen der
Denkfähigkeit verursachen können. In gewisser Hinsicht wird dieser Glaube
von dem Krankheitsbild von Alkoholikern bestärkt, die häufig von weissen
Mäusen oder Ratten berichten, die ihnen im Delirium erschienen sind. Um sich
der Ratten zu erwehren, wurden auch Heilige angerufen - zuständig dafür
waren z.B. Gertrud, Nicasius oder Georg - oder man warf eine lebende Ratte,
stellvertretend für ihre zahlreichen anderen Artgenossen ins Feuer. |