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Phantomerscheinungen sind
mehr oder minder zu allen Zeiten und in allen Kulturen nachweisbar. Es
handelt sich hier um Bilder, manchmal auch akkustische Signale, die auf
natürliche Weise nicht erklärt werden können und von einzelnen oder mehreren
Personen gleichzeitig wahrgenommen werden. Oft macht ein Phantombild auf ein
besonderes Ereignis aufmerksam, das entweder bereits stattgefunden hat oder
gegenwärtig an einem anderen Ort passiert. Mitunter kann es auch auf ein
zukünftiges Ereignis verweisen.
Phantombilder lassen sich in folgende Hauptgruppen unterteilen:
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Phantomköpfe. Die
vielleicht am besten belegte Erscheinung eines Phantomkopfes fand 1891
in Oakville in der Nähe von San Francisco statt. Nach dem San Francisco
Examiner wurde eine Familie namens Walsingham von einem Phantomkopf
heimgesucht. Dieser näherte sich zuerst als kugelförmiges, schwer zu
definierendes Licht, das sich langsam zu einem furchterregenden Kopf mit
langen grauen Haaren und Blutflecken auf der Stirn manifestierte. Dieser
Kopf schwebte ungefähr 15 cm über dem Fussboden. Kam jemand in seine
unmittelbare Nähe, hatte er das Gefühl, es würden sich Eisfinger um
seine Kehle legen und ihn würgen. Auch aussenstehende Personen, die sich
zu diesem Zeitpunkt im Haus aufhielten, bestätigten den Vorfall. Die
Erscheinung erfüllte die Menschen mit soviel Entsetzen, dass das Haus
abgerissen wurde. Interessanterweise fand sich dabei ein kopfloses
Skelett im Fundament, von dem man annahm, dass es die Ursache des Spukes
war.
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Phantomarmeen, deren
geisterhafte Schatten nach grausamen Schlachten und wildem Gemetzel auf
ihrem Kampfplatz gebannt blieben, oder die fortzogen, um weiter zu
kämpfen. Eine der frühesten Berichte über derartige Phantomarmeen geht
auf die Zeit der Assyrer zurück, als Geisterkrieger Wüstenstädte
angegriffen haben sollen. In England soll man in Glastonbury selbst
heute noch das Lärmen von Rittern in Rüstungen hören können, und
Bewohner des Marston-Moores behaupten immer wieder einmal, Männer in den
Uniformen des Cromwellschen Bürgerkrieges gesehen zu haben. Natürlich
haben auch die beiden grossen Weltkriege des 20. Jahrhunderts für eine
Reihe von Geschichten über Phantomarmeen gesorgt. Als jüngstes Beispiel
sollen im Jahre 1971 amerikanische Soldaten in Vietnam von den
Fussabdrücken einer Geisterkompanie genarrt worden sein. Eine
interessante Auswahl dieser angeblichen Phänomene liefern Forbes
Phillips und Thurston Hopkins in War and the Weird (1919) sowie Harold
T. Wilkins in Strange Mysteries of Times and Space (1958).
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Phantomvögel. Sie
erscheinen meist am Sterbebett von Menschen, manchmal nur bei
Angehörigen einer bestimmten Familie, die ihren ganz speziellen
Geistervogel für derartige Anlässe haben. So berichtet eine Schrift aus
dem 17. Jahrhundert mit dem Titel: Eine wahre Begebenheit von einer
Erscheinung in der Gestalt eines Vogels mit weisser Brust, der über dem
Totenbett einiger Kinder von Mr. Janes Oxenham aus Orehampton zu
schweben schien, von einem Geistervogel, der ausnahmslos dann auf den
Plan trat, wenn ein Mitglied der Familien Oxenham im Sterben lag. Als
Geistervögel kamen besonders die Eule, das Rotkehlchen, aber auch
Schwäne in Betracht.
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Phantomkutschen.
Diese können vorfahren, um Sterbende abzuholen, aber gleichermassen den
bereits Toten als Gefährt für ihre Nachtfahrten dienen. Manchmal handelt
es sich bei der Phantomkutsche um eine normale Kutsche, oft ist es auch
ein Leichenwagen. Auf alle Fälle hat sie schwarz zu sein, ebenso der
Kutscher und die Pferde, die fast immer kopflos sind. Die Kutsche fährt
schnell und unheimlicherweise fast lautlos. Wer sie sieht, soll bald
sterben. Die vielleicht berühmteste Phantomkutsche ist die
Turberville-Kutsche von Dorset, die in der Abenddämmerung von Woolbridge
Manor, ehemaligen Sitz der Familie Turberville, zu einer Stelle in der
Nähe von Bere Regis fahren soll, und das seit bereits mehr als 200
Jahren. Ihre Existenz verdankt diese Phantomkutsche einem entsetzlichen
Mord. In die Literatur eingegangen ist sie durch Thomas Hardy
(1840-1928), der diese Phantomkutsche in seinem Werk Tess of
d'Urbervilles (1891) erwähnt. Eine andere in England bekannte
Phantomkutsche soll die von Sir Francis Drake sein, die in dunklen
Nächten quer durch das Dartmoore fährt, gefolgt von einem Rudel
heulender Jagdhunde. Mit dem Aufkommen des Automobils hat die
Popularität von Phantomkutschen deutlich abgenommen.
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Phantomglocken sollen
von Kirchen oder Türmen längst im Wasser versunkener Städte erklingen
und vor Sturm oder anderen Katastrophen warnen. An der Küste vor Suffolk
glaubt man, besonders zur Weihnachtszeit, die Glocken der einst
blühenden Stadt Dunwich hören zu können, und an der Küste Cornwalls
klingen angeblich zu besonderen Anlässen die Glocken des überfluteten
Landes Lyonesse nach. Oft geschieht dies um Mitternacht. Um
sicherzugehen, dass es sich bei diesem Glockengeläute um Phantomglocken
handelt, empfiehlt es sich, auf den letzten Ton zu hören. Der fehlt
nämlich bei dem Gespenstergeläute, so schreibt zumindest Alasdair Alpin
McGregor in seinem 1955 erschienenen The Ghost Book. Manchmal kommt das
Geläute von Phantomglocken auch von real existierenden Glocken, die von
unsichtbarer Hand zum läuten gebracht wurden, um einen Todesfall
anzukündigen.
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Phantasmagorien. Hier
handelt es sich um künstlich erzeugte Trugbilder, die auf eine Erfindung
des belgischen Optikers E.G. Robertson zurückgehen und sich besonders in
den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts grosser Beliebtheit erfreuten.
Die Geschichte der Phantasmagorie sowie das Werk Robertsons ist in dem
Buch The Wonder of Optics (1868) von F. Marion nachzulesen, sowie in
Peter Hainings Buch: Ghosts: An illustrated History (1974).
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