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Sammelbezeichnung der
drei germanischen Schicksalsgöttinnen Urd, Verdandi und Skuld, die für das
Gewordene, das Seiende und das Werdende stehen. Sie ähneln den griechischen
Moiren und den römischen Parzen.
Der Name „norn“ heisst die Raunende und bezieht sich auf die Funktion der
Schicksalsgöttinnen, aus Runen die Zukunft weiszusagen. In der
osteuropäischen Überlieferung hat sich der Glaube an ein vorherbestimmtes
Schicksal mit der Gestalt der drei Schicksalsfrauen verbunden. Dieses sind
meist drei weibliche, göttliche Wesen, die an der Wiege des Neugeborenen
stehen und dessen Zukunft und Schicksal mit ihrem Spruch bestimmen. Von
besonderer Bedeutung für das Schicksal des Neugeborenen ist der Spruch der
letzten Schicksalsfrau. Sie prophezeit dem Kind, wen es heiraten wird und
wann und wie es sterben muss. Motive, die sich in dem bekannten Märchen
Dornröschen wiederfinden. Die Nornen, Moiren, Parzen, aber auch Ursitori und
Schöpferlein, wie sie mancherorts genannt werden, können zuweilen auch durch
drei männliche Gestalten ersetzt werden.
Die Ungewissheit des Schicksals, die Ungewissheit der Zeitspanne, die einem
auf Erden zugedacht ist, die Ungewissheit der Zukunft, in die der Mensch
nicht schauen kann, gibt den Nornen ihren geheimnisvollen Schrecken. Der
unwissende Mensch würde gerne an dem Wissen der Nornen teilhaben,
gleichzeitig graut ihm davor; denn sie sagen unerbittlich, ungerührt und
unabhängig von seinen persönlichen Interessen, Wünschen und Ängsten das, was
ist, was war und was sein wird. Möglicherweise spinnen sie auch an dem
Schicksalsteppich jedes einzelnen mit, doch sie tun das nach einem höheren
Gesetz, ohne sich beeinflussen zu lassen.
Das Entsetzen, das die Nornen, Parzen oder Moiren dem sterblichen und
verletzlichen Menschen einflössen, hat Shakespeare in seiner Tragödie
Macbeth dargestellt, in dem er die drei Schicksalsgöttinnen in Hexen
umwandelte. Dort sind sie drei Hexen die den Kriegern das Schicksal
voraussagen, das ihrer harrt. Shakespeare nennt sie die weird sisters, die
unheimlichen bzw. unheilverheissenden Schwestern. Bei den Angelsachsen war
Wyrd die schweigsame Göttin, die gleichermassen das Schicksal der
Unsterblichen und der Sterblichen bestimmt. |