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Monster, Dämonen, Gespenster, Geister
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Mittagsgespenst

Nicht nur die dunkle Mitternacht, sondern auch die sommerlich heisse Mittagssonne, in der die Luft flirrt, galt als Stunde der Dämonen. Das mag damit zusammenhängen, dass Sonnenstich und Hitze den Menschen gefährlich werden konnten, doch es war wohl mehr eine Stimmung der Melancholie und Öde, die sich der Menschen um diese Zeit bemächtigte. Zahlreiche dieser flirrenden Hitzedämonen hat D. Grau in seinem Buch Das Mittagsgespenst (1966) gebannt. Bereits im antiken Heidentum findet sich die Vorstellung eines Mittagsgespenstes, von dem Franz Werfel (1890-1945) schreibt: „Die Alten haben geglaubt, dass zur sonnigen Mittagsstunde etwas aus der angespannten Natur springen kann, gestaltlos und sichtbar, scheusslich und voller Herrlichkeit, jeglichen Wanderer tötend, den es anfällt, gleichsam die in einen Augenblick zusammengepresste Vision des Ganzen.“
Der Ursprung des Mittagsdämons liegt im vorderasiatischen Volksglauben vorchristlicher Zeit. Schon im hebräischen Original der Septuaginta wird im Psalm 90,6 ein gefährliches dämonisches Wesen erwähnt, das die Menschen am Mittag heimsucht. Origines setzt den Mittagsdämon in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus mit der acedia - dem Gefühl von Überdruss und der Langeweile - gleich.
Evagrius Ponticus schildert in einer Schrift, die ebenfalls aus dem 3. Jahrhundert stammt, wie ein Mönch in seiner Zelle von diesem Gefühl der acedia angefallen wird. „Die Sonne scheint dem der acedia verfallenen Mönch stillzustehen, der Tag kommt ihm unendlich lang vor. Er wird von dem Dämon getrieben, aus der Behausung zu gehen, die Sonne anzustarren und ihren Stand zu prüfen. Hass gegen seinen Aufenthaltsort, gegen sein Leben und seiner Hände Arbeit überkommen ihn, und er glaubt, dass die Liebe seiner Gefährten nachgelassen habe und es niemanden gebe, der ihn mit seinem Trost zu helfen bereit sei.., und schliesslich setzt der Dämon alle Mittel ein, den Mönch zur Flucht zu bewegen.“
Auch im spätantiken Gallien glaubte man, dass die Monotonie der heissen Mittagsstunde unheimliche Dämonen berge. Die Mittagsstunde galt auch als die Stunde Pans. Erlitt jemand zu dieser Stunde einen Schwächeanfall oder Hitzeschlag, schrieb man dies dem Mittagsgespenst zu. Dieses löste sich im Laufe der Zeit aus seiner anonymen Unfassbarkeit und bekam mehr menschenähnliche Züge, lm Volksglauben verband es sich mit dem Bild des Kornweibes, das auch als Mittagsfrau bezeichnet wurde und bei sengender Hitze erscheint. Trifft das Mittagsgespenst auf jemanden, der die zur Mittagszeit vorgeschriebene Ruhe nicht einhält, fragt sie ihn zu Tode. Mittag und Mitternacht sind beides extreme Pole des Tages, und allzu grelles Licht lässt gleich einer Fata Morgana Bilder und Ängste erstehen, die der dunkle Schleier der Nacht manchmal bedeckt hält.

 

 

 

 

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