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Monster, Dämonen, Gespenster, Geister
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Mischwesen

Zahlreiche Monster sind Mischwesen, das heisst Geschöpfe, bei denen Bestandteile unterschiedlicher Lebewesen oder Naturformen zu einer neuen Gestalt zusammengesetzt sind.
In der Kulturgeschichte und im Denken der Völker gibt es viele Beispiele dafür, die naturgegebenen Formen abzuwandeln, ganz oder teilweise auszuwechseln, zu mischen und zu isolieren, zu vergrössern oder zu verkleinern, um damit Monströsitäten, synthetische Kreaturen, Abstraktionen, formale und inhaltliche Neuschöpfungen zu gewinnen Man kann davon ausgehen, dass sich in den Bildern der häufig monströsen Mischwesen bedrohliche Eindrücke aus allen Lebensbereichen manifestieren. Wilde Tiere, die für den Menschen eine konkrete Gefahr darstellen waren besonders geeignet, Material für dämonische Gestalten zu liefern Hinzu kommt dass viele menschliche Missbildungen Rückfälle in tierische Formen sind. So lässt sich etwa die besonders im Mittelalter verbreitete Gestalt des wilden Mannes deutlich von den Urmenschen bzw. Löwenmenschen ableiten. Darüberhinaus ist nicht zu leugnen, dass viele Tiere auf den Menschen leicht abstossend wirken können oder Schakale, Fledermäuse und die meisten Amphibien. Diese äusseren Eindrücke haben sich dann gepaart mit der menschlichen Angst vor den Ungewissheiten des Lebens, Äusserliche Schrecknisse und innerliche Ängste waren im Verbund wohl Hauptinspirationen für die Geburt zahlreicher Mischwesen.
Die ältesten bildlichen Belege für Mischwesen finden wir um 3000 v. Chr. in Ägypten und Mesopotamien und etwas später in Indien. Von dort breiteten sie sich über den Iran bis nach China aus. Das klassische Altertum bildete ein Eldorado von Mischwesen. Im Abendland gelangte ihre Darstellung in der romanischen und gotischen Kunst zu einer wahren Hochblüte. Die romanische Plastik, aber auch die mittelalterlichen Handschriften sind geradezu überbevölkert von seltsamen Wesen. In der Renaissance entwickelten sich z.T. merkwürdige Neuschöpfungen, so z.B. die roboterartigen Figuren eines Giovanni Battista Bracelli, oder die aus Früchten, Gemüse oder Werkzeugen zusammengesetzten Köpfe eines Giuseppe Acrimboldo. Im 17. Jahrhundert mischte der französische Hofmaler Charles LeBrun in „gentechnischer Manier“ Mensch und Tier rational und zugleich bizarr miteinander. Die Kultur der Weltreligionen hat viel zur Verbreitung der Mischwesen beigetragen. Dabei haben sich Buddhismus, Christentum und Islam gegenseitig befruchtet.

Heinz Mode hat in seinem Buch über Fabeltiere und Dämonen in der Kunst (1976) die Gattung der Mischwesen in fünf Klassifizierungen unterteilt:

 

  1. 1. Mischwesen mit Menschenleib oder Tierleib in betont menschlicher Haltung, mit Tierkopf oder auch nur einzelnen Merkmalen tierischer Herkunft. Hierher gehören etwa Satyr und Minotaurus, aber auch der Herr der Finsternis selbst. Mode nennt die Gruppe „Tiermensch“.

  2. 2. Mischwesen mit Tierleib oder in betonter Tierhaltung in Verbindung mit einem Menschenkopf, menschlichen Oberleib oder anderen rein menschlichen Zügen. Zu diesen „Menschentieren“ zählen u.a. Sphinx, Zentaur oder Sirene.

  3. 3. Mischwesen mit Tierleib und Tierkopf verschiedener Arten oder weiteren hinzugefügten Tiermerkmalen. In der Gruppe dieser „Mischtiere“ befinden sich der Greif, der Drache und der Pagasus, sowie zahlreiche sonstige Flügeltiere, aber auch die Mischgestalten des Meeres mit Fischschwanz und Tieroberkörper.

  4. 4. Diese Kategorie beinhaltet Mischwesen und Mischkombinationen mit bewusster Vervielfachung oder Vereinfachung, überbetonter Vergrösserung und Verkleinerung der Körpermerkmale, der Gliedmassen, der Köpfe und der Leiber. Dabei können tierische mit menschlichen Körperteilen vermischt, aber auch die natürlichen Formen einer Art abgewandelt werden. Hierher gehören etwa das Einhorn, der einäugige Zyklop oder Fabelwesen aus alten phantastischen Reiseberichten wie die Gruppe der Einbeinigen, Langohrigen, der Mundlosen usw. Gleichzeitig fallen in diese Kategorie die vielarmigen oder mehrköpfigen indischen Gottheiten und die bauchgesichtigen Grillen Ostasiens und des euorpäischen Mittelalters. Hinzu kommen wapgenmässige Kombinationen, wie z.B. der Doppeladler.

  5. 5. Dies ist die zahlenmässig kleinste Gruppe. Hier werden Naturgegebenheiten oder Gegenstände vermenschlicht oder in Tierform gebracht. Hierzu zählen Berg- und Baum-Menschen oder Schiffe in Menschen- oder Tiergestalt.

 

Auch wenn sich die Welt der Mischwesen in der allgemeinen Vorstellung sehr häufig mit dem Dämonischen verbindet, wäre es zu kurzgefasst, Mischwesen mit Dämonen gleichzusetzen. Denn neben all den Sirenen, Stiermenschen, Satyrn, Zentauren und mehrköpfigen Ungeheuern und last but not least, dem Teufel höchstselbst, gibt es Geschöpfe, die sich dem Bösen entziehen: etwa die besonders geheimnisvolle Sphinx oder das Einhorn. Auch sollte man das positiv aufgefasste Mischwesen als Wappentier nicht vergessen. Mitunter wurden auch die drei Evangelisten Lukas, Markus und Johannes, denen die Tiere Stier, Löwe und Adler zugeteilt sind, als Mischwesen, d.h. als Menschen mit den entsprechenden Tierköpfen dargestellt. Doch selbst die monströsen Mischwesen müssen nicht unbedingt nur dem Reich des Dunklen entstammen. Pan, dem der christliche Teufel viele Züge verdankt, war beileibe kein Geschöpf reiner Finsternis. Die im Abendland vorherrschende Ansiedlung der Mischwesen auf der Nachtseite des Lebens ist nicht zuletzt auf den Einfluss des Christentums zurückzuführen, auf seine Naturfeindlichkeit, seine tendenzielle Dämonisierung des Tieres, seine strikt ethische Orientierung, seine saubere Scheidung in Gut und Böse. Unter diesem Einfluss hat auch einer der vielleicht genialsten Schöpfer von Mischwesen, Hieronymus Bosch, seine bildgewordenen Phantasien gestaltet. Wenn er den Betrachter in den dunklen Ort der Hölle führt oder die Posaunen zum Jüngsten Gericht erschallen lässt, erblicken wir ein wahres Pandämonium der bedrückendsten Mischwesen. Aus seinen Darstellungen des Paradieses hingegen sind alle Mischwesen - mit Ausnahme der geflügelten Engel - verbannt.
In allen fünf Gruppen der nach Heinz Mode kategorisierten Mischwesen begegnet uns das Böse. Doch zeigt es Vorlieben. Gehäuft finden wir es in Gruppe eins und Gruppe drei. Der Teufel selbst - als „Herr der Lüge“ bekanntlich auch der „Herr der Wandlung“ - ist, wenn er als Mischwesen auftritt, an keine bestimmte Kombination gebunden. In der Offenbarung Johannes besteht das „grosse Tier“ aus einem ganzen Konglomerat von unterschiedlichen Tierelementen. So heisst es: „Ein Tier stieg aus dem Meer, mit zehn Hörnern und sieben Köpfen. Auf seinen Hörnern trug es zehn Diademe und auf seinen Köpfen Namen, die eine Gotteslästerung waren. Das Tier, das ich sah, glich einem Panther, seine Füsse waren wie die Tatzen eines Bären und sein Maul wie das Maul eines Löwen. Und der Drache hatte ihre seine Gewalt übergeben, seinen Thron und seine grosse Macht.“
Die bei weitem häufigste und zugleich volkstümlichste Erscheinungsform des Teufels setzt sich jedoch aus Hörnern, Schweif und Klauen zusammen. Das so ausgestattete Teufelsgeschlecht ist seit dem 12. Jahrhundert im Abendland verbreitet und bis auf den heutigen Tag bekannt. Zur klassischen Ausrüstung gehören oft auch noch spitz zulaufende Tierohren, zotteliges Fell oder Schuppenkleid, Bocksfuss, Eselsfuss oder Pferdefuss. Verbreitet sind auch schwarze, fledermausartige Flügel, die im Gegensatz zu den Flügeln der lichten Engel abstossend wirken. Sein Körper erinnert trotz allem an einen Menschenleib, vor allem aber ist ihm eine menschengemässe Haltung zueigen. Die Tierhaftigkeit in Verbindung mit der menschlichen Haltung verleiht der Gestalt des Teufels oft etwas unfreiwillig Komisches.

 

 

 

 

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