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Lamia (die Verschlingerin)

In der griechischen Mythologie tritt die Lamia als vampirartige, blutrünstige Dämonin auf. Insgesamt kann die Lamia als eine Verwandte der Empuse gelten.
Der Sage nach war Lamia ursprünglich eine libysche Prinzessin, die zur Geliebte des Zeus wurde. Als die eifersüchtige Göttergattin Hera davon erfährt, straft sie Lamia mit Wahnsinn, woraufhin diese ihre eigenen Kinder tötet. Vor Kummer über ihre Tat, verliert Lamia die Fähigkeit zu schlafen und ihre Schönheit. Sie rächt sich, indem sie anderen Müttern die Kinder raubt und verschlingt. Man glaubte, sie könne sogar ihre Augen aus den Höhlen nehmen, damit diese nachts, während sie halb dämmerte, Ausschau nach Opfern halten konnten. Ein Auge warf die Lamia auch gern auf gutaussehende junge Männer, die gleich Kindern ihren Appetit erregten, und die sie mit Haut und Haar verschlang, nachdem sie ihnen vorher das Blut ausgesaugt hatte. In diesem Fall verwandelte sich die hässliche Lamia meist in eine schöne Frau und Verführerin, um ihre Opfer gefügig zu machen.
In spätmittelalterlichen Bilddarstellungen tauchen die Lamien als Mischwesen aus Mensch und Tier auf. Sie haben einen Frauenkopf und Frauenbrüste, ein männliches Glied, vier Beine, davon die Hinterfüsse mit Hufen, die Vorderfüsse mit Krallen versehen, zudem einen Schweif und einen Schuppenpelz. Auch auf das Bild der abendländischen Hexe blieb die Lamia nicht ohne Einfluss. 1621 griff Robert Burton in seiner Anatomy of Melancholy auf die Vorstellung der Lamia zurück. Allerdings schildert er sie dort als eine anmutige junge Frau, die einen jungen Philosophen in ihren Palast nach Korinth führt und in sich verliebt macht. Sie selbst scheint die Liebe des jungen Mannes zu erwidern und beschliesst, sich mit ihm zu vermählen. Doch bei ihrer Hochzeit ist auch der Magier Apollonios zugegen, der „herausfand, dass sie eine Schlange sei, eine Lamia, und dass all ihre Einrichtung nicht Substanz war, sondern blosse Illusion. Da sie sich entdeckt sah, weinte sie und flehte Apollonius an er möge schweigen, doch wollte er sich nicht rühren lassen, und darauf verschwand sie samt Fundament, Haus und allem darin in einem Nu.“ Burtons Erzählung, die nur noch wenig mit der blutrünstigen und furchterregenden Lamia der Antike zu tun hat, lässt das Motiv der unerlösten Liebe anklingen. Dies regte John Keats (1795-1821) zu seinem weitläufigen Gedicht Lamia an.

 

 

 

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