|
Die Sage von dem
Schwarzkünstler, Schwarzmagier und Zauberer „Meister Krabat“ ist auch heute
noch unter der in der Lausitz lebenden sorbischen Bevölkerung bekannt.
Sie zählt zu den Volkssagen von Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten,
von Teufelsbündnern und Hexenmeistern. Im Mittelpunkt der volkstümlichen
Sagenüberlieferung steht der magiekundige Gutsbesitzer von Gross-Särchen bei
Hoyerswerda, der wie einst Doktor Faustus in der Volksüberlieferung mit
seiner Kutsche durch die Lüfte fahren konnte. Erst rund 20 Jahre nachdem die
Sage erstmals schriftlich niedergelegt worden war (1837), wird der
geheimnisvolle Zaubermeister mit dem Namen „Krabat“ benannt (1858). Ungefähr
zur gleichen Zeit wandelte sich die Sage vom schwarzen Meister Krabat in den
unschuldigen Knaben Krabat, der die „schwarze Schule“ in Leipzig besucht, wo
der „Schwarze“ persönlich das Zaubern lehrt. Als Preis dafür forderte der
dämonische Meister jährlich die Seele eines seiner Schüler. Krabat wird
durch seine Mutter gerettet, und August der Starke, dessen Gunst er mit
seinen Zauberfertigkeiten erwerben konnte, schenkt ihm das Gut Gross-Särchen.
Der Name Krabat leitet sich etymologisch von „Kroat“ ab. Vorbild für die
Gestalt des Krabat war vermutlich ein kroatischer Reiteroberst und
Gutsbesitzer, der den Sorben in der Lausitz nicht ganz geheuer war und daher
wohl in den Verruf eines Schwarzmagiers und Zauberers kam. Die Krabatsage
hat sich vermutlich nach dem Tod des kroatischen Reiteroberst im Jahre 1704
herausgebildet.
Überregional bekannt wurde die Krabatsage durch Ottfried Preusslers
Jugendbuch Krabat (1971), das die Geschichte einfühlsam und poetisch
weiterspinnt. Hier wird der Waisenjunge Krabat in einem Traum zur
Jahreswende aufgefordert, sich zur Lehre in eine abseits im Wald gelegene
Mühle zu begeben. Dort gerät er in die Einflusswelt des Müllers, der in
Wirklichkeit ein Meister der schwarzen Schule ist und als Lehrgeld für sein
Geheimwissen jedes Jahr das Leben eines seiner Schüler fordert. Krabat wird
Dank eines Mädchens, das ihn liebt, von dem Zauber, der ihn bindet,
errettet. |