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Der Apostel Judas, der
Jesus für dreissig Silberlinge ans Kreuz geliefert hat, wurde bald zum
Synonym der Verräters schlechthin.
In späterer Überlieferung wurde sein Erscheinungsbild mit einem roten Bart
gekennzeichnet und mit roten Ohren. Eine rote Haar- oder Bartfarbe als
Zeichen für Falschheit und Dämonie zu werten ist nicht neu. Ursache hierfür
dürfte zum einen die relative Seltenheit einer solchen Haarfarbe sein, zum
anderen, dass die Farbe Rot eine starke Signalwirkung hat. Sie kann für
Leidenschaft, Lebensenergie, Sexualität, aber auch für Krieg, Blut und
Aggression stehen und enthält damit von Haus aus ein gewisses dämonisches
Potential. Die roten Ohren lassen sich weniger leicht erklären,
wahrscheinlich stehen sie jedoch auch für innere Zerrissenheit, Neid und
Hinterhalt. Allgemein bekannt ist die Bezeichnung Judaskuss, eine
geheuchelte Geste der Liebe, die auf Verrat und Tod zielt. In der
christlichen Tradition gibt es in der Karwoche immer noch ein nach Judas
benanntes Gebäck, die Judaszelten, die die Form eines gedrehten Zopfes
haben. Hiermit wird an den Strick erinnert, mit dem der von Furcht und Reue
geplagte Judas sich nach seinem Verrat erhängt hat. Der Tag an dem Judas den
Strick nahm, der 30. April - übrigens auch der Tag, an dem Adolf Hitler
Selbstmord beging - gilt als Unglückstag. |