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Angefangen hat alles mit
einem fürchterlichen Alptraum, aus dem der schottische Schriftsteller Robert
Louis Stevenson (1859-1894) nachts schreiend erwachte. Innerhalb von nur
sechs Tagen entstand darauf die Novelle Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und
Mr. Hyde, die 1886 veröffentlicht wurde.
Die Geschichte beschreibt in unnachahmlicher Manier den wissenschaftlichen
Versuch, durch die Einnahme eines Elixiers das Böse vom Guten im Menschen zu
trennen. Die Zweiteilung in den guten Dr. Henry Jekyll und in den bösen Mr.
Edward Hyde gelingt tatsächlich. Der anerkannte Wohltäter und Arzt lebt nun
seine unterdrückte Schattenseite in einer Doppelexistenz als der bösartige
und unberechenbare Mr. Hyde aus. Bald muss Dr. Jekyll jedoch feststellen,
dass die Transformation zum Bösen seiner Kontrolle entgleitet und immer
öfter unbewusst und ungewollt einsetzt...
Stevensons vor-Freudsche Fantasie einer gespaltenen Persönlichkeit wurde zu
einer der grossen modernen Legenden. Mehrere Autoren haben versucht, die
Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde fortzuspinnen. So Loren D. Estleman
in Dr. Jekyll and Mr. Holmes (1979), wo Dr. Jekyll einen berühmten
Zeitgenossen trifft. Ausserdem Donald Thomas mit Jekyll, Alias Hyde: A
Variation (1988). Ein weiteres Aufgreifen des Themas ist The Jekyll Legacy
(1990) von Robert Bloch und Andre Norton, sowie Mary Reilly (1990) von
Valerie Martin, der wohl erfolgreichste dieser Romane, der Dr. Jekylls
Geschichte aus dem Blickwinkel seines Dienstmädchens erzählt.
Als Bühnenstück debütierte die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde 1887
in Boston und ein Jahr später in London. Beide Male mit ausserordentlichem
Erfolg. Der suggestive Stoff einer persönlichkeitsspaltenden Kraft wurde bis
heute in fast 30 Versionen verfilmt. Allein zwischen 1908-1921 entstanden
sieben Stummfilme dazu. Zu den Tonfilmen zählen Dr. Jekyll and Mr. Hyde
(1931) mit Fredric Match. Ein gleichnamiges Remake folgte 1941 mit Spencer
Tracy. 1953 kam Abbott and Castello Meet Dr. Jekyll and Mr. Hyde mit Boris
Karloff heraus. 1960 gab es The Two Faces of Dr. Jekyll mit Paul Masste und
1970 Dr. Jekyll and Sister Hyde mit Ralph Bates. Valerie Martins
Dienstmädchenversion des Stoffes Mary Reilly kam 1996 in die Kinos, mit John
Malkovich und Julia Roberts in den Hauptrollen. Seit 1990 bannt die
Erfolgsgeschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde auch als gleichnamiges Musical
ein Millionenpublikum. |