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Unsichtbarer Vampir aus
Guy de Mauspassants Novelle Der Horla.
Der Horla trinkt zwar kein Blut - er nährt sich von Wasser und Milch -
erweist sich dafür aber als Seelenparasit. Durch seine unsichtbare, aber
ständige Gegenwart treibt er sein Opfer in den Wahnsinn. Das Entsetzliche an
dem Horla ist, dass er unfassbar und unangreifbar bleibt und daher
bedrohlicher ist als jede reale Gefahr. Er umlauert sein Opfer, beobachtet
es und scheint alles von ihm zu wissen. Später lähmt er mit hypnotischen
Kräften den Willen des von ihm okkupierten Menschen und ergreift zunehmend
Besitz von dessen Seele.
Maupassant beschreibt diesen Vorgang mit den Worten: „Jemand bestimmt
gebieterisch alles, was ich tue, alle meine Regungen, alle mein Gedanken.
Ich bin nichts mehr, habe keine Macht mehr über mich selbst, ich bin nur
noch ein sklavischer und verängstigter Zuschauer all der Dinge, die ich
vollbringe ... „
Aus einer anderen Passage wird die Überlegenheit dieses ungreifbaren und
damit unangreifbaren Seelenmonsters deutlich: „Weh, der Geier hat die Taube
zerrissen, der Wolf hat das Lamm gefressen, der Löwe hat den Büffel
verschlungen. Der Mensch hat den Löwen getötet ... Aber der Horla wird den
Menschen zu dem machen, wozu wir das Pferd und den Ochsen gemacht haben, zu
seiner Sache ... einzig und allein durch die Übermacht seines Willens. Weh
über uns.“ |