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Homunculus

Verkleinerungsform des lateinischen Wortes homo (Mensch).
Die Vorstellung einer künstlichen Erzeugung eines Homunculus (Menschlein) kam schon in der antiken Alchemie auf. In den Homilien des Clemens Romanus (etwa 250 n.Chr.) findet sich der Bericht über Simon Magus, der einen Menschen aus Luft erschaffen haben soll, den er erst in Wasser verwandelte, dann in Blut und schliesslich in Fleisch. Besonders die Alchemisten im ausgehenden Mittelalter zeigten sich von dem Gedanken fasziniert, Miniaturmenschen zu erzeugen. Hier ist vor allem der Name des Arztes, Alchemisten, Schwarzmagiers und Philosophen Paracelsus (1493-1541) von Bedeutung, auf den auch die Bezeichnung Homunculus zurückgeht. In seiner Schrift De natura rerum (1538) gibt er eine Anleitung zur Herstellung von künstlichen Menschlein. 40 Tage soll nach Paracelsus der Entstehungs- und Wachstumsprozess der Homunculi dauern. Urin, Sperma und Blut dienen ihm dabei als die Träger des Seelenstoffes, als die materia prima, und sind somit der Grundstoff zur Erzeugung künstlichen Lebens. Die Aufzucht soll in einem hermetisch abgeschlossenen Glaskolben erfolgen. In Goethes Faust II erzeugt Fausts Assistent Wagner nach Paracelsus Rezept einen Homunculus. Trotz dieser grossen literarischen Vorlage fanden die Homunculi im Vergleich zu den Golems und anderen Arten von künstlichen Menschen nur wenig Eingang in die Literatur. Die nahen Verwandten des Homunculus wie Alraune oder Flaschengeister schienen den Dichtern offensichtlich ergiebiger. Doch auch hier gilt, keine Regel ohne Ausnahme. In Achim von Arnims (1781-1831) Roman Die Päpstin Johanna findet sich in dem grotesk-phantastischen Beiwerk auch das Homunculus-Motiv: Luzifer arbeitet seit Jahrhunderten daran, Gott zu übertreffen und den von ihm erschaffenen Menschen nachzuahmen. So hofft er, in der Retorte ein neues Menschengeschlecht erzeugen zu können.
Robert Hamerling (1830-1889) machte 1886 die Homunculus-Figur zum Helden einer satirischen Dichtung. Homunkel ist hier das chemisch erzeugte Geschöpf eines Professors, das seinem Erzeuger eine Tracht Prügel verabreicht, da es sich selbst und die ganze Welt nur als „arge Pfuscherei“ sieht.
William Somerset Maughams (1874-1965) Roman Der Magier (1908) handelt von dem Magier Oliver Haddo - dessen reales Vorbild übrigens der Satanist Aleister Crowley gewesen sein soll - der sich ein schauderhaftes Monstrositätenkabinett zugelegt hat. Darin wird auch ein Homunculus beschrieben, der schnatternde Laute ausstösst und mit geballten Fäusten an die Glaswände seines Käfigs trommelt. „Der Schädel war riesenhaft glatt und aufgequollen wie bei einem Wasserkopf ... Das winzige formlose Gesicht verzerrte sich in krampfhafter Wut, und aus dem Mund quoll Schaum hervor.“ Eine schauderhafte Vision, die sich in Zeiten unvorstellbarer gentechnischer Möglichkeiten durchaus verwirklichen liesse ...

 

 

 

 

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