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Greif

Geflügeltes Fabeltier, halb Adler, halb Löwe.
Die Darstellung des Greifes hat sich von babylonischen Zeiten, wo sein Abbild auf Rundziegeln zu finden ist, bis zur Gegenwart kaum geändert. Das Motiv des sagenhaften Vogels wurde in der bildenden Kunst immer wieder gerne aufgegriffen. Der Greif gibt zweifellos eine imposante und furchteinflössende Erscheinung ab, weshalb er ein beliebter Gegenstand von Wappen und Insignien der Macht wurde. Auch der Thron Jahwes in Jerusalem war auf vier Greifen gestützt.
Der Körper des Greifs ist löwenartig, soll aber achtmal so gross sein wie der eines gewöhnlichen Löwen, und an seinen Füssen sind mächtige Klauen. Er hat den Kopf und die Flügel eines Adlers. Sein Hals soll blau sein, den Rumpf bedecken schwarze Federn, seine Flügel sind weiss. Man sagt von ihm, er sei stärker als hundert Adler und könne ohne weiteres einen Ochsen mitsamt Pflug durch die Lüfte entführen.
Bekannt ist die Sage vom schiffbrüchigen Herzog Ernst, der sich von seinem Diener in eine Ochsenhaut einnähen liess, woraufhin er, solcherart verpackt, von einem Vogel Greif aus dem Meer gefischt wurde, der ihn als Beute in seinen Horst tragen wollte.
„Das geflügelte Ungeheuer“, wie Herodot den Vogel Greif nannte, taucht sowohl in der griechischen als auch persischen Dichtung auf. Aus dem orientalischen Märchenschatz von Tausendundeiner Nacht kennen wir den Vogel Rock, der vergleichbare Eigenschaften aufweist. Das Mittelalter glaubte an die Existenz des Greifen und beschrieb ihn in den Bestiarien. Die mittelalterlichen Auslegungen der Symbolik des Greifes sind widersprüchlich. Ein italienisches Bestiarium meint, er stelle den Teufel dar, im allgemeinen stand er jedoch für das Sinnbild Christi. Der Bischof Isidor von Sevilla (um 560-636) erläuterte in seiner Etymologiae: „Christus ist Löwe, weil er herrscht und die Kraft besitzt; Adler, weil er nach der Auferstehung in den Himmel steigt.“

 

 

 

 

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