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Das Wort kommt aus dem
Hebräischen und bedeutet soviel wie ungeformte Masse bzw. ungeformte
Materie.
Die Gestalt des Golem hat zwei Wurzeln. Die ältere davon ist die talmudische
und spätjüdische Adamslegende, die sich in verschiedenen Fassungen
herausgebildet hat. Danach ging der erste Mensch - nämlich Adam -
ursprünglich als Golem, d.h. als unförmiges Gebilde aus Gottes Hand hervor
(vgl. Psalm 139,16). Dieser erste Adam war zweigeschlechtig und riesenhaft.
Später hauchte Gott ihm die Seele ein und schuf aus ihm Mann und Weib. Auf
dieser Tradition beruht die Vorstellung vom Golem als einem seelenlosen,
riesigen, künstlichen Menschen, wie ihn die rabbinische Legende und die
Literatur kennt.
In der Kabbala (etwa seit dem 12. Jahrhundert) gibt es den Glauben, dass
besonders würdige und gelehrte Rabbiner mit Hilfe des Schöpferwortes einen
Diener aus Lehm schaffen können, der auf das Wort des Herrn hört. Solche
Golemgestalten sollen der Rabbi Eleasar von Worms, der Rabbi Elijah von
Chelm und als bekanntester der Rabbi Löw von Prag geschaffen haben.
Der Golem ist stumm, er hat übernatürliche Kräfte und eine übernatürliche
Grösse. Er erfüllt die Aufgaben eines Hausknechts. Auf seiner Stirn trägt er
das geheime Wort. Der Golem des Rabbi Elijah, so wird berichtet, sei zu so
enormer Grösse angewachsen, dass der Rabbi ihm wieder das Leben nahm, indem
er von dem magischen Wort emeth (= Wahrheit) das auf der Stirn des Golem
stand, den ersten Buchstaben entfernte, so dass daraus meth (= Tod) wurde.
Unglücklicherweise galt das auch für den Rabbi selbst, denn als er den
Buchstaben entfernte, fiel der riesenhafte Golem zu Boden und dabei auf
seinen Herrn. Der Rabbi Löw hingegen soll dem Golem das geheime Wort nicht
auf die Stirn gezeichnet haben, sondern ihm einen Papierstreifen mit dem
„richtigen“ Namen Gottes in den Mund gelegt haben. Sobald er den
Papierstreifen entfernte, fiel der Golem wieder in Totenstarre.
Durch die im 18. Jahrhundert in Mode kommenden menschenähnlichen Automaten,
wurde auch die Golemsage wieder aktualisiert. Jacob Grimm erwähnt sie 1808,
und Achim von Arnim beschreibt in seiner Novelle Isabella von Ägypten (1812)
einen weiblichen Golem. In zahlreichen Dramen, Gedichten und Romanen, von
denen wohl der bekannteste Gustav Meyerinks Golem (1915) ist, wird die
sagenhafte Gestalt des Golem wiederbelebt. Im Buch The Born Gudas (1959) von
Emanuel Ben Gorion heisst es über den Golem und den berühmten Rabbi Löw:
„Die Kraft der Rede konnte er (R. Löw) dem Golem nicht eingeben, denn was
diesem innewohnte, war eine Art Lebenstrieb, aber keine Seele. Er war wohl
mit einem gewissen Unterscheidungsvermögen ausgestattet, aber Dinge der
Weisheit und höhere Einsicht blieben ihm versagt. - Wiewohl nun der Golem
keine Seele hatte, merkte man ihm am Sabbat etwas Besonderes an, und sein
Gesicht erschien freundlicher als an Wochentagen ... Der Golem barg in
seinem Inneren keinerlei Neigung, weder gute noch sündhafte. Was er tat,
geschah nur unter Zwang und aus Furcht, zurück ins Nichts versenkt zu
werden. Alles, was zehn Ellen über und zehn Ellen unter der Erde lag, war
für ihn mit Leichtigkeit zu erreichen, und nichts konnte ihn an der
Ausführung des einmal Unternommenen hindern. - Er musste ohne Zeugungstrieb
erschaffen werden, sonst hätte sich kein Weib vor ihm retten können ... Weil
er aber keinen Trieb kannte, so haftete ihm auch keine Krankheit an ... R.
Löw behauptete, dass der Golem auch Anteil am ewigen Leben haben werde, da
er sovielmal Israel vor schwerer Not bewahrt hatte.“
Zahlreiche Schriftsteller haben sich seitdem der Golemgestalt angenommen.
Vielleicht die bemerkenswerteste neuzeitliche Interpretation davon lieferte
Stanislav Lem in seinem Roman Also sprach Golem (1981). Dort ist der Golem
XIV ein Angehöriger der Maschinenintelligenz des 27 Jahrhunderts, dem die
militärstrategischen Probleme seiner menschlichen Schöpfer zu banal geworden
sind und der es vorzieht, Vorlesungen über die Stellung des Menschen im
Kosmos zu halten.
In der Kombination von Philosophie und Science-fiction hat Lems Golem viele
Entwicklungen wie Gentechnologie, Virtual Reality und Cyberspace
vorausgreifend beschrieben. |