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Das Wort Gespenst geht
auf die Bedeutung „lockendes Trugbild“ zurück.
Gespenster gibt es in Hülle und Fülle und in den unterschiedlichsten Formen.
Sie reichen von der ätherisch durchsichtigen Erscheinung verblichener
weisser Damen, bis zum kettenrasselnden Flegel oder der düsteren Erscheinung
eines schwarzen Mönches. Sie alle zeichnen sich dadurch aus, menschliche
Gestalt zu haben und meist um Mitternacht aufzutreten.
Im allgemeinen definiert man Gespenster als Tote, die sich nicht von dieser
Welt lösen konnten und den Weg ins Jenseits nicht fanden oder die wieder vom
Jenseits zurückgekehrt sind, um den Lebenden etwas mitzuteilen. Was sie
umtreibt, kann eine nicht getilgte eigene Schuld sein oder schweres
ungestraftes Unrecht, das ihnen zu Lebzeiten widerfahren ist.
Gespenster verhalten sich nicht unbedingt rational. Sie scheinen die Gesetze
dieser Welt vergessen zu haben, müssen jedoch wie in einem schweren Traum an
gewissen Orten verweilen. Redet man sie an, bleiben sie oft stumm oder
antworten mit Grabesstimme. Beliebte Kulisse für ihre Auftritte sind
natürlich alte, geschichtsträchtige Schlösser, Mordhäuser oder Friedhöfe.
Oft leiden Gespenster an einem Wiederholungszwang von Handlungen, die in
ihrem Leben von Bedeutung gewesen sein mochten, nun aber jeglichen Sinn
verloren haben, was ihre Unerlöstheit betont.
Gespenster verursachen uns nicht nur Alpträume, sie scheinen in ihrer
Existenz selbst in einem solchen gefangen zu sein. Was uns bei
Gespenstererscheinungen mit Schrecken erfüllt, ist ihre Zunichtemachung
unserer empirisch beobachtbaren Erfahrungswirklichkeit. Dass es etwas geben
soll, was es eigentlich nicht geben kann, löst in uns jenes geheime Grausen
aus, das Ludwig Tieck (1773-1853) einen „Schwindel der Seele“ nannte.
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