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Sammelname für
nichtmaterielle oder zumindest feinstofflich gedachte Wesen.
Geister sind weltweit auftretende Phänomene. Sie wurden im Laufe der
Geschichte immer erwähnt, erscheinen in vielen verschiedenen Gestalten und
Formen und aus einer Vielzahl von Gründen. Grundsätzlich lassen sich vier
Hauptkategorien von Geistern ermitteln:
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Experimentiergeister. Das sind Geister von lebenden Menschen, die von
ihren Besitzern ausgesandt wurden, um anderen Menschen an
unterschiedlichen Orten zu erscheinen, oder aber eine noch lebende
Person verwandelt sich vor den Augen anderer in eine Erscheinung.
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Krisengeister.
Diese erscheinen ihren Angehörigen oder Verwandten, wenn die
dazugehörige Person an einem entfernten Ort eine furchtbare
Schicksalsprüfung zu durchlaufen hat und in Todesgefahr schwebt.
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„Post-mortem“
Geister. Sie erscheinen erst nach dem Tod der dazugehörigen Person, so
dass sie nicht mit Krisengeistern zu verwechseln sind. Sie ähneln der
wirklichen Person so sehr, dass die Betrachter oft einen tiefen Schock
empfinden.
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„Echte“ Geister.
Diese tauchen am häufigsten auf und werden auch von Menschen gesehen,
die in keinerlei Verbindung zu ihnen stehen. Zeit spielt für die
„echten“ Geister, die die klassischen Spukphänomene verursachen, keine
Rolle. Sie können noch Jahrhunderte nach einem Todesfall oder einem
Verbrechen erscheinen, oft sind sie jedoch an einen bestimmten Ort
gebunden. Die „echten“ Geister nehmen im Volksglauben breiten Raum ein
und haben eine bunte Vielgestalt entfaltet. Die Volkskunde kennt Haus-,
Erd-, Luft- und -Wassergeister.
Freundliche Geister
werden als Holde bezeichnet, während böse Geister Unholde genannt werden.
Geister können feurig als Irrlichter, als Gerippe, als Tiere, als Schemen in
Tiergestalt, oder auch als kopflose Geister auftauchen. Als akkustische
Untermalung für ihren Auftritt wählen sie unheimliche Musik, Donner,
Gepolter oder Klopfen. Bei Beschwörungen oder Zaubersprüchen versammeln sie
sich an Kreuzwegen, unter Galgen oder auf Friedhöfen. Ihre bevorzugten
Zeiten sind Mitternacht, der Advent, Weihnachten, die zwölf Rauhnächte,
Karfreitag etc. Gebete, Weihrauch, das heilige Kreuz, aber vor allem Licht
und Feuer sollen der Geisterabwehr dienen. Kinder und Jungfrauen sollen
Geister von ihrem Dasein erlösen können. Kinder, die Allerseelen zur Welt
gekommen sind oder in Steisslage geboren wurden, sollen die Gabe haben,
Geister zu sehen. Oft müssen sich Geister mit Problemen auseinandersetzen,
die ihre Wurzeln in ihrem vorhergehendem Leben haben. So sind schatzhütende
Geister meist Geizhälse, die einst ihr Geld vergraben haben und nun im Grab
keine Ruhe finden, bis jemand ihren Schatz geborgen hat. Auch hat es
negative Nachwirkungen, wenn jemand zu Lebzeiten einen Grenzstein versetzt
hat. Man sagt, böse Geister könnten guten Menschen nichts anhaben. Sobald
das Morgenlicht dämmert oder der erste Hahn schreit, ist ihre nächtliche
Macht gebrochen. Die katholische Kirche führt auch heute noch Exorzismen
durch, um Geister oder Teufel auszutreiben.
Obgleich der Geist immateriell ist, ist der Glaube an Geistererscheinungen
genauso verbreitet wie der Glaube an diese selbst. Ihr Erscheinen soll
darauf beruhen, dass die Geister am Alltag der Lebenden teilhaben und zu
manchen Zeiten einfach sichtbare Gestalt annehmen. Erscheint einem ein
Geist, so soll man ihn fragen, was sein Begehr ist. Man soll jedoch
vorsichtshalber gleich hinzufügen, dass man seinen Wunsch nur erfüllen kann,
wenn dies im Rahmen des Möglichen ist.
Im Spiritismus und Okkultismus im 18., 19. und auch 20. Jahrhunderts haben
Geister und Geistererscheinungen eine Renaissance erlebt. Vor allem in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen Seancen und Geisterbeschwörungen
regelrecht in Mode. Zweck von Geisterbeschwörungen, die nach bestimmten
Ritualen ablaufen, war meist der Wunsch, an dem Wissen Verstorbener, das
auch prophetischer Art sein kann, teilzuhaben.
Die Methoden der Geisterbeschwörung waren und sind vielfältig. Sie reichen
vom Tischrücken über Pendeln bis zur Verwendung von magischen Bleistiften.
In jüngerer Zeit sind technische Hilfsmittel hinzugekommen, so z.B.
Tonbandgeräte, um die angeblichen Stimmen von Dämonen oder Verstorbenen
aufzuzeichnen. Früher wurden Geisterbefragungen nur nach einer Zeit des
Fastens und geistiger Übungen vorgenommen, wobei auch verschiedene magische
Zeichen, wie z.B. der Drudenfuss oder Zaubergeräte wie Stab, Zauberbuch,
Wasser, ÖI oder Licht, ihre Verwendung fanden. Die günstigste Zeit für
derartige Unternehmungen ist natürlich nachts, manchmal wird ein Zauberkreis
gezogen, in dessen Mitte der Beschwörer steht. Um die Geister wieder
loszuwerden, soll man die Beschwörungsformel rückwärts aufsagen.
Eine Sonderform der Geisterbeschwörung ist der kollektiv vollzogene
Geistertanz, wie er besonders unter den nordamerikanischen Indianerstämmen
verbreitet war. Es handelt sich dabei um eine Zeremonie zur Ehrung der
Toten, damit sie die Lebenden nicht behelligen. Im Regelfall ist der
Geistertanz ein geräuschvolles, farbiges und aufregendes Unternehmen, das
die Geister erfreuen soll, aber ihnen gleichzeitig vor Augen führt, dass der
Stamm viele tapfere Männer hat, die die Phantome angreifen werden, wenn sie
es wagen sollten, Böses zu tun und sich in die Welt der Lebenden
einzumischen. Die Indianer sind der Ansicht, dass die Geister geräuschvolle
Wesen sind, weshalb sie sagen: „Die Schattenseelen der Toten zirpen wie
Grillen.“ Auf ein lärmendes Auftreten von Geistern verweist auch die
germanische Wurzel des Wortes, die soviel bedeutet wie „schreien,
entsetzen“. Möglicherweise schreien aber auch diejenigen, die einen Geist zu
sehen bekommen.
Mit dem Aufkommen der Fotografie wurde auch der Versuch unternommen, die
Existenz von Geistern zu „dokumentieren“. Bei den so entstandenen
„Geisterfotografien“ tritt der mit der Fotolinse gebannte Geist entweder als
einzelstehende durchschimmernde Gestalt auf, oder - was noch häufiger der
Fall ist - er ist zusammen mit einer oder mehreren lebenden Personen auf
einem Bild zu sehen. Oft handelt es sich bei dem angeblichen Geist um einen
verstorbenen Verwandten, der über den Köpfen seiner Angehörigen schwebt. Die
frühesten Fotos dieser Art tauchten 1862 in Amerika auf, wo ein Mann namens
William Mumler aus Boston Geisterfotografien aufgenommen haben wollte. Aus
diesen bescheidenen (und betrügerischen) Anfängen entwickelte sich bald zu
beiden Seiten des Atlantiks ein blühendes Geschäft.
Man darf behaupten, dass die Geistergestalten fast ausnahmslos mit Hilfe von
Doppelbelichtung oder dem grosszügigen Gebrauch von Watte, die dem Ganzen
den gewünschten Nebeleffekt verlieh, entstanden. Als die Möglichkeiten und
Tricks der Kamera einem breiterem Publikum einsichtig wurden, verschwand das
Genre der Geisterfotografien fast vollständig. |