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Freak heisst im
Englischen Einfall, Laune. ln einer anderen Bedeutung, präzisiert als „freak
of nature“, wird daraus eine Laune der Natur, die Monster schafft.
Diese „Freaks“ sind Menschen mit körperlichen Missbilligungen, die auf
Jahrmärkten und in Zirkusarenen als menschliche „Monster“ oder auch „Show
Freaks“ angekündigt wurden. Heute sind diese „Missgeburten“ fast vergessen
und von den öffentlichen Bühnen verbannt, einst gehörten sie jedoch zu den
beliebten Sensationen. Aufgrund ihrer Seltenheit erweckten Missgebildete die
Neugier ihrer Mitmenschen, und man machte sie zu professionellen oder
unfreiwilligen Schauobjekten. Als Erstere waren die Freaks ein Teil des
„fahrenden Volkes“, wobei sich die Art ihrer Auftritte vom Mittelalter bis
ins 19. Jahrhundert kaum geändert hatte. Dem Umgang mit den bizarren
Gestalten der Freaks haftete lange Zeit etwas Naiv-Selbstverständliches an.
Noch im 17. und 18. Jahrhundert, bis zur französischen Revolution, hatten
Freaks die Fürstenhöfe bevölkert. Monströsitäten und Missbildungen gehörten
zu den Kuriositäten, die mit derber Belustigung bestaunt oder
„wissenschaftlich“ betrachtet wurden. Das neugierige Begaffen all der Haar-
und Löwenmenschen, Bartfrauen, Rumpf- und Halbmenschen, der Zwerge, Riesen,
„Vogelköpfe“, der Haut- und Knochenmenschen, der ganzen Vielheit der
Abnormitäten, war noch bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts
möglich. Ein Verbot ihrer Auftritte erfolgte in Deutschland im ,Jahr 1937.
Für die Nationalsozialisten bedeutete das Betrachten der Freaks eine
Gefährdung des gesunden Volksempfindens. Das „Entartete“ sollte kein
Vergnügen bereiten. Aber auch jenseits der NS-Ideologie ging die Karriere
des Show-Freaks bald zu Ende.
Zum einen wurde die unmittelbare Konfrontation mit missgebildeten Menschen
zunehmend als zu schockierend empfunden, zum anderen verlangte gerade das
Mitgefühl und eine gewisse Pietät gegenüber den von der Natur
benachteiligten Show-Freaks, dass man sie nicht länger ausstellte. Darüber
hinaus erlaubt es der wirtschaftliche Wohlstand der westlichen
Industrieländer fast jedem körperlich abnormen Menschen, einen Beruf nach
seinen Vorstellungen zu wählen, was früher nicht möglich war. Dadurch ist
der Freak-Nachwuchs im Showgeschäft fast vollständig ausgestorben. Ob die
Freaks überhaupt - gleichgültig ob auf der Bühne oder im bürgerlichen Beruf
- überleben werden, erscheint fraglich. Die mögliche Feststellung
körperlicher Mängel bereits im embryonalen Zustand bzw. beim Fötus und die
damit in der Regel verbundenen Abtreibungen, machen den Freaks
wahrscheinlich auf „humane“ Weise den Garaus. Im Dritten Reich wurden viele
Missgebildete vergast.
Das Verschwinden der „Naturmonster“ aus der Öffentlichkeit setzte übrigens
fast zeitgleich mit dem Siegeszug der Zelluloid-Monster im Kino ein. |