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Jedwedes Leben ist von
Gefahren umlauert.
Daher spielt die Vorstellung eines „Feindes“ innerhalb der menschlichen
Gesellschaft von altersher eine grosse Rolle. Der Feind kann der jenseitigen
Welt, dem Naturreich oder der Tierwelt entsprungen sein. Er kann sich in
einem einzelnen Menschen, aber ebenso in einer Gruppe von Menschen
verkörpern. Lange Zeit spielte die Blutrache zwischen verfeindeten Clans
eine nicht unbedeutende Rolle. Jedes Sippenmitglied der anderen Gruppe war
Feind, und das nicht selten über Generationen. Die zwischenmenschliche
Feindschaft kann sich von Einzelnen über Sippen, Stämme bis hin zu Nationen
erstrecken. So galten z.B. über Jahrhunderte die Franzosen als die Erbfeinde
der Deutschen. Der Staatsrechtler Carl Sehmut (1888-1985) hat sich in seinem
Werk intensiv mit dem menschlichen Freund-Feind-Verhältnis
auseinandergesetzt. Es scheint, dass die Existenz eines Feindes für den
Menschen oft wichtiger ist als die eine Freundes. Ein Leben ohne Feinde
grenzt ans Übermenschliche. Selbst die Kirche, innerhalb derer die Botschaft
Christi: „Liebet Eure Feinde“, eine zentrale Rolle spielt, ist selten ohne
Feinde ausgekommen.
Es darf daher nicht verwundern, dass Abwehrsprüche als Hilfsmittel gegen
unbekannte und bekannte persönliche Feinde in grosser Zahl erhalten sind.
Sie verraten die Bedeutung, die ihnen im Leben der Menschen zukam. Denn
Feinde waren überall zu fürchten, sei es zu Hause, auf Reisen, vor Gericht
oder im Krieg. Wichtig war, die Feinde rechtzeitig zu erkennen. So galt es
als Warnung, wenn man von Katzen - die ja oft als falsch bezeichnet werden
(zu unrecht übrigens) - träumte. Auch der erste der sogenannten Merseburger
Zaubersprüche ist gegen Feinde gerichtet. Innerhalb des Christentums galten
die Heiligen als Beschützer, ebenso war der heiligen Dreifaltigkeit eine
schlichtende Rolle zugedacht. Urn die Situation zwischen Feinden zu
entspannen, soll es nützen, in Gedanken mit seinem Feind Brüderschaft zu
trinken. Auch ein ritueller, dem Feind geltender Spruch wie: „Ich sehe dich,
ehe du mich siehst; was du im Willen hast, das tu du nicht“, soll hilfreich
sein. |