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Riesige und schrecklich
anzusehende Walddämonen.
J.N. Alpenberg schildert sie in seinen Mythen und Sagen Tirols (1857) als
riesengrosse Ungeheuer, die „am ganzen Körper behaart (sind), geborstet, das
Antlitz verzerrt, der Mund von einem Ohre zum anderen gezogen, das schwarze
Haupthaar hängt voll Baumbart ... und reicht rauh und struppig über den
Rücken herab; im Zorne sträubt sich's wild empor ... Die Augen sind dunkel
und nachtschwarz wie Kohlen, glühen aber zuzeiten und sprühen Blitze - die
Stimme ist Mannesstimme, rauh und ungefüge. Ihre Kleidung sind Schurze von
Wildkatzenpelzen, Joppen von Baumrinden und Zottelschutze von Füchsen und
anderem Getier.“
Es gibt jedoch nicht nur männliche, sondern auch weibliche Fänggen. Letztere
sind vorwiegend in der Gegend um Südtirol beheimatet, während die männlichen
Fänggen mehr im Vorarlberg bekannt sind. Während die männlichen Fängge recht
ungeschlachte Kerle sind, können weibliche Fängge als fleissige Mägde
auftreten, deren wahres Wesen erst erkennbar wird, wenn sie eines Tages
durch eine plötzliche Todesbotschaft nach Hause gerufen werden. In der Sage
heissen sie „Rauhrinda“ oder „Stutzförcha“. Ihr Auftreten als Magd erklärt
man damit, dass bei den Fänggen nicht einmal die eigenen Kinder vor ihren
wilden Vätern sicher sind, so dass man sie zu den Menschen in Dienst gibt.
Die ausgewachsenen Fängginnen hausen derweil im Wald, um Kindern
aufzulauern. In einer älteren Überlieferung ist zu lesen: „Im Walde, der von
Nassereit nach Stra sich zieht, hauste eine Fangg, welche von der Grösse
eines mittelmässigen Baumes war. Sie lauerte stets auf Menschen, und wenn
sie kleine Buben zu fassen bekam, so schnupfte sie dieselben in ihre Nase
... , oder sie rieb sie an alten dürren Bäumen, die von stehenden Asten
starren, bis sie zu Staub geraspelt waren.“
Vertrieben werden können Fänggen durch den Klang von Kichenglocken, was ihre
heidnische Herkunft offenbar macht. Zwischen Abend- und Morgenläuten
verfügen sie über Zauberkräfte. Ihre Existenz ist an den Wald, manchmal
sogar an einzelne Bäume, in denen sie leben, gebunden. Verschwindet ihr
heimatliches Waldgebiet, müssen auch sie sterben. Weniger bekannt als die
riesenhaften Waldfänggen sind ihre kleinen Verwandten, die in Felsklüften
und Erdhügeln, sogenannten Fänggenlöchern hausen. Sie sind nicht grösser als
Zwerge und verfügen über geheimes Wissen von Pflanzen. |