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Johann Gottfried Herder
(1744-1803) übersetzte für seine 1779 erschienene Volksliedersammlung die
dänische Volksballade von „Herrn Oluf“.
Hierin spielt die Tochter des Elfenkönigs (dänisch = ellerkonge) eine
entscheidene Rolle, die Herrn Oluf bei einem Ritt durch den Wald trifft. Sie
möchte mit Herrn Oluf tanzen. Als er ihr diesen Wunsch ausschlägt, da er am
nächsten Tag Hochzeit hat, greift sie an sein Herz, so dass er sterben muss,
als er sein Haus erreicht. Herder übersetzte nun das Wort Ellerkonge mit
Erlkönig, möglicherweise in Anlehnung an das niederdeutsche Wort „eller“ für
„Erle“. Berühmt wurde der Name Erlkönig, als Goethe 1782 den Begriff für
seine gleichlautende Ballade übernahm.
Goethes Erlkönig hat nur noch wenig mit dem dänischen Elfenkönig zu tun. Er
wurde hier zu einem unheimlichen Naturdämon, der sich im Weidengebüsch und
Erlengesträuch aufhält und bei einem nächtlichen Heimritt von Vater und Sohn
dem Kind den Tod bringt. Goethes Ballade wurde über 130 mal vertont und fast
ebenso häufig illustriert, so dass die Figur des Erlkönigs zum deutschen
Bildungsschatz gehört. Eine interessante literarische Aufgreifung des
Erlkönigsmotivs bietet der 1924 geborene französische Autor Michel Tournier
in seinem Roman Der Erlkönig (1970), worin er auf die dunklen, irrationalen
Elemente der „deutschen Seele“ anspielt, die u.a. auch zum
Nationalsozialismus geführt hätten. Völker Schlöndorff legte 1996 nur eine
bedingt gelungene Verfilmung des Tournier-Stoffes vor. |