|
Unsichtbarer Geist mit
Vogelstimme, der im 16. Jahrhundert das Schloss der Herren von Sachsenheim
heimgesucht haben soll.
Als er sich zum ersten Mal bemerkbar machte, verkündete er, er sei ein aus
dem Himmel verstossener Engel. Da er jedoch weniger grosse Schuld auf sich
geladen habe als Luzifer und dessen Schar, hoffe er, nicht auf ewiglich
verloren zu sein und irgendwann Gnade zu erlangen. Auf die Frage, wie er
denn in das Schloss gekommen sei, erwiderte er, er habe mehr als tausend
Jahre auf einem Grashalm im Moor gesessen und auf eine Gelegenheit gewartet
herauszukommen. Diese habe sich geboten, als ein Diener des Schlosses
vorbeiritt, auf dessen Pferd er sich hinten aufgeschwungen habe. Weiter wird
von dem Entenwick berichtet, dass er sich als dienstbar und im Umgang
angenehm erwiesen habe. Bat man ihn um fehlende Gegenstände wie Kerzen,
Kartenspiel oder anderes, wurden diese von unsichtbarer Hand durch die Luft
befördert. Der Hausgeist wurde weder jemals sichtbar noch greifbar.
Allerdings war er sehr mitteilsam und fing meist zu sprechen an, wenn er
einen Raum betrat. Doch auch wenn er schwieg, wurde seine Gegenwart
atmosphärisch spürbar. Sprach man ihm Gebete vor, schickte er sich an, diese
brav nachzusprechen, nur bei dem Wort des Vaterunsers: „Führe uns nicht in
Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“, habe er geschwiegen und es
laut der Zimmerischen Chronik aus dem Jahre 1656 „nit sagen wellen“. Als der
neugierig gewordene Schlossherr Reinhard von Sachsenheim den Entenwick
einmal sehen will, warnt ihn dieser davor, da er von schrecklicher Gestalt
sei. Nach längerem Bitten erklärt er sich jedoch bereit, seinen Arm sichtbar
zu machen, aber „der war mit langen spitzen am ellenbogen und durch auss,
die Einger an der handt auch spitzig und greulich und die farb so
erschrockenlich, mit ploe und blutfarb und gelenspreckln also vermischt, das
ich vom dem edelmau selbs gehört, das er all sein tag ellender und
greuslicher anblick nie gesehen hab.“ Als sich Herr Reinhard schliesslich
von Freunden dazu drängen lässt, den Entenwick beschwören und bannen zu
lassen, prophezeit der Entenwick das Ende des Geschlechts. Kurze Zeit danach
brannte das Schloss bis auf die Grundmauern ab, und die Adelsfamilie starb
aus. |