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Das Brockengespenst,
eines der bekanntesten Gespenster Deutschlands, ist auch heute noch auf dem
höchsten Berg im Harz anzutreffen.
Der Brocken, der ohnehin als ein Tummelplatz der Hexen und Dämonen und
traditioneller Treff zur Walpurgisnacht gilt, wurde lange Zeit nur mit
Unbehagen bestiegen. Das wurde noch vergrössert, als immer wieder Wanderer
von der Begegnung mit einem riesigen, turmhohen Gespenst berichteten, das
urplötzlich aus dem Nebel vor ihnen aufragte.
Im Jahre 1818 besuchte der deutsche Gelehrte Gustav Jordan den Brocken, um
das Phänomen des Brockengespenstes genauer zu untersuchen. Mehrmals bestieg
er den Berg, und jedesmal erblickte er das Brockengespenst! Schliesslich
gelang es ihm - nicht die Erscheinung, aber das Grauen vor ihr zu bannen,
indem er erkannte, dass es sich hierbei um eine optische Lichttäuschung
handelt.
Er schrieb dazu: „Nachdem ich die Möglichkeit hatte, das Geheimnis dieses
Phänomens im vollen Umfang aufzudecken, kann ich diejenigen meiner Leser,
die begierig sein mögen, es selbst zu sehen, folgende Mitteilung machen.
Wenn die aufgehende Sonne - und in Analogie dazu verhält es sich im Falle
der untergehenden Sonne gleichfalls so - ihre Strahlen über den Brocken auf
den Körper eines Menschen wirft, der zarten, leichten Nebelwänden
gegenübersteht, deren Schwaden um ihn herum oder hinter ihm schweben, muss
er nur seine Augen ganz fest auf sie richten und wird dann aller
Wahrscheinlichkeit nach das einzigartige Schauspiel erleben, wie sich sein
eigener Schatten auf eine Länge von 150 bis 180 Meter vergrössert, ungefähr
drei Kilometer von ihm entfernt. Es handelt sich hierbei um eins der
reizvollsten Phänomene, das ich je auf der grossen Wetterwarte Deutschlands
beobachten konnte.“ |